138 Vierter Teil. Höhere algebraische und transzendente Konstruktionen. der Halbkreis um S mit SQ als Radius hinzugefügt wird, der ja den Schenkel [OV] berührt. Natürlich kann man entweder R an [OU]¹) oder den Kreis an [OV] gleiten lassen; letzteres ist genauer, da sich der Schnittpunkt der von R beschriebenen Linie mit [OU] genauer als der Moment der Berührung von Kreis und Gerade feststellen läßt. Man kann dabei das Lineal [OV] zugleich zur Führung des tangieren- den Kreisstückes und seinen Endpunkt O zur Führung der Kante [PQ] benutzen. Durch wiederholte Anwendung beider Instrumente kann man auch die Teilung in mehr Teile ausführen. Auf der Führung eines Punktes auf einer Geraden, einer Ge- raden durch einen Punkt beruht auch Newtons Zissoidenzirkel (s. S. 1003): ein Winkelhaken BAC gleitet mit B auf einer Geraden [A'C'], mit [AC] durch einen Punkt B', für den A'B' AB ist. Dann beschreibt der Mittelpunkt P von AB eine Zissoide. = C' B Auch die dritte der mit Punkten und Geraden möglichen Füh- rungen: zwei Punkte gleiten auf zwei Geraden, ist wirklich angewandt worden, nämlich bei dem Ellipsenzirkel von Leonardo da Vinci.) Er beruht auf dem Satze: Beschreibt eine Strecke PV mit ihren Endpunkten zwei zueinander senkrechte Gerade [OV], [OP], so be- schreibt jeder Punkt X von [PV] eine Ellipse mit den Achsen [OV], [OP], den Halbmessern XV, XP. Das Instrument ist natürlich, da es auf einer Einschie- bung einer Strecke PV von gegebener Länge beruht, auch ohne Zeichnung einer Ellipse sofort zur Trisektion zu benutzen, genau wie der Amadorische Dreiteiler (s. o.). Aber auch 1) S. Enriques 1. c., p. 250. 2) Daß Leonardo (1452-1519) der Erfinder dieses Instrumentes oder viel- mehr des darauf beruhenden, noch heute gebräuchlichen Ovaldrehwerkes ist, gibt Lomazzo an in seiner Schrift: Idea del tempio della pittura 1590, p. 17, mit Berufung auf Melzi, einen Schüler Leonardos. Das Prinzip war (siehe Chasles, Aperçu, p. 49) schon Proklus bekannt (s. Procli Diadochi in primum Euclidis elementorum librum Commentarii ed. Friedlein, Leipzig 1873, p. 106) --