136 Vierter Teil. Höhere algebraische und transzendente Konstruktionen. kleiner oder größer ist, als der gegebene Zirkel überhaupt oder mit Rücksicht auf die Genauigkeit gestattet. Mechanische Konstruktionsmittel.¹) Die Unzulänglichkeit von Lineal und Zirkel bei vielen Kon- struktionsaufgaben führte schon in den ältesten Zeiten dazu, neben diesen uralten Instrumenten, zu denen auch noch der Winkelhaken 2) zu rechnen ist, andere einzuführen. Seitdem sind unzählige Instru- mente hinzu erdacht worden, aber die Zahl der neuen und originellen Ideen ist verhältnismäßig bescheiden. Wenn man Ordnung in das Chaos bringen will, muß man zunächst unterscheiden zwischen den- jenigen Apparaten, die offen oder versteckt eine Kurve zeichnen, und den übrigen. Was die ersteren Instrumente, „Kurvographen“, betrifft, so wird jedes solche offenbar um so genauer sein, je einfacher es ist. Unter diesem geometrographischem Gesichtspunkt verdienen also vor allem die Instrumente Beachtung, die aus einem einzigen beweglichen Teile bestehen, die also gewissermaßen die einfachsten ihrer Art sind. Außer dem beweglichen Teil können diese Instrumente einen festen Teil besitzen, der die „Führung" des beweglichen vermittelt; aber es macht keinen prinzipiellen, nur einen Genauigkeitsunterschied, wenn diese Führung bloß an gezeichnet vorliegenden Linien erfolgt. Wir wollen daher den beweglichen Teil, den allein charakteristischen, als das Instrument bezeichnen. Die allgemeinste Art der Führung be- steht nun offenbar darin, daß zwei mit dem Instrument starr ver- bundene Linien (z. B. Ränder) an zwei in der Ebene gezeichnet vor- liegenden Kurven gleiten. In der Tat ordnen sich dieser Art Führung alle angewendeten unter, wenn man berücksichtigt, daß die Kurven auch z. T. in Punkte degenerieren können. So benutzt C. Bartl³) einen Winkel, dessen Schenkel er an zwei Kreisen gleiten läßt, worin die früher erwähnte Anwendung als Spezialfall enthalten ist, wenn die Kreise sich auf Punkte reduzieren.¹) Beim Konchoidenzirkel, gleichgültig 1) Vgl. hierzu: J. H. M. Poppe, Geschichte der Anwendung der Kreis- und anderen krummen Linien in den mechanischen Künsten und in der Bau- kunst bis auf Descartes. Göttingen 1800. A. v. Braunmühl, Historische Studie über die organische Erzeugung ebener Kurven von den ältesten Zeiten bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, in W. v. Dycks Katalog math, usw. Modelle (München 1892), p. 54. Juel, Über graphische Erzeugung von Kurven, Kopenhag. Abh. X (1899). W. F. Stanley, Math. drawing and measuring instruments, London, 6. Aufl., 1888. Rittershaus, Über Ellipsographen, Verhandl. des Gewerbever- eins für Preußen 1874. 2) Über Konstruktionen mit diesem vgl. namentlich G. de Longchamps, Essai sur la géométrie de la règle et de l'équerre. Paris 1890. 3) Archiv d. Math. u. Phys. (2) I (1884), p. 1. 4) Vgl. auch Samueli, Triangoli et rettangoli calcolatori. Firenze 1897.