134 Vierter Teil. Höhere algebraische und transzendente Konstruktionen. im Zeichenfelde liegen; daß das genügt, haben wir bereits oben be- wiesen (S. 49). Bei den metrischen kubischen Konstruktionen unter Zugrunde- legung eines Kegelschnittbogens kann es eintreten, daß der Kreis, von dessen Schnittpunkten mit dem gegebenen Bogen die Lösung der Auf- gabe abhängt, seinen Mittelpunkt außerhalb des Zeichenfeldes hat. Theo- retisch wird es von Interesse sein, die angegebene Schwierigkeit durch eine Transformation zu beseitigen. Praktisch wird man ein Instrument an- wenden, mit dem man Kreisbogen mit unzugänglichem Mittelpunkt schlagen kann. Das einfachste ist ein verstellbarer Winkel, dessen Schenkel man durch zwei Punkte gleiten läßt; die Spitze beschreibt den Kreis. Für den Fall eines Rechten findet sich diese Anwendung schon bei Vitruv¹), der mit einem Winkelhaken prüft, ob die Vertiefungen in gestreiften Säulen halbkreisartig ausgearbeitet sind. Ein solches In- strument mit einem stellbaren Winkel ist namentlich in der Karto- graphie mehrfach gebraucht worden.) Dieser Gebrauch eines Winkels ist lediglich als Ersatz des Zirkels anzusehen, auch wenn Kreise nicht wirklich damit geschlagen werden, sondern der Winkel nur mit seinen Schenkeln durch zwei Punkte, mit seiner Spitze auf eine Linie gelegt wird. Dabei werden also drei Koinzidenzen gefordert, während bei Zirkel und Lineal deren nur zwei nötig sind. Ein derartiger Gebrauch steht also genau auf gleicher Stufe z. B. mit den „Einschie- bungen" (s. S. 78); die Alten vollzogen diese mit einem geteilten Maßstab oder einem Lineal mit zwei Marken.³) Diese Marken mußten also auf zwei gegebene Linien, die Linealkante auf einen gegebenen Punkt gelegt werden. Ein solches Instrument ist als der einfachste Kon- choidenzirkel anzusehen, gleichgültig ob man die Konchoide wirklich zeichnet oder nicht. Ebenso finden bei Newtons Zissoidenzirkel drei Koinzidenzen statt (s. S. 100 )). Von Interesse ist noch, daß das Instrument nicht verstellbar zu sein braucht; ein gewöhnliches rechtes oder schiefes Winkelscheit genügt vielmehr. Auch braucht man die Schenkel bloß durch zwei bestimmte feste Punkte AB gehen zu lassen. Die Richtigkeit dieses Satzes geht sofort aus dem Steiner-Ponceletschen Satze (S. 55) her- vor, wenn man noch hinzunimmt, daß man mit Rücksicht auf S. 38 1) Architectura Lib. III am Ende 2) Aus Perraults Übersetzung des Vitruv führt Leupold (Theatrum arithmetico-geometricum, Kap. 19, Tab. XX b Fig. 9, 10) ein solches an; s. ferner Lowiz: De figura et divisione segmentorum quibus magni globi coelestes et terrestes obducantur (Comm. soc. reg. scientiar. Gotting. Antiquiores Tom. I, 1778): Pieter Smit, Cosmographia, of Verdeelinge van de geheele Wereld, als mede het maken van de Hemelsche en Aardsche Globe (Amst. 1720, Fig. 51, 52); Kästner, Geom. Abh. I (Gött. 1790), p. 303. - Vgl. auch Stanleys Centrograph (s. Jordan, Ztschr. f. Vermessungswesen 5 (1876), p. 459). 3) Adler (Konstr., p. 245) nimmt einen Papierstreifen. -