Kapitel IV. Geometrographie und Fehlertheorie. 125 hältnissen beliebig wachsen. Andrerseits gibt die Lemoinesche Ge- nauigkeit bei günstigen Lageverhältnissen nur das Maximum des Fehlers an, z. B. ist der Fehler im Radius, der durch Einsetzen von zwei Zirkelspitzen begangen wird, nur im Maximum gleich dem doppelten Exzentrizitätsfehler; der mittlere Fehler wächst nicht pro- portional der Anzahl der benutzten Punkte, sondern nur proportional der Quadratwurzel dieser Anzahl.¹) Fehlerausgleichung. Ist ein Punkt durch mehr als zwei Linien zu bestimmen, die nicht genau durch einen Punkt gehen, oder eine Gerade durch mehr als zwei Punkte, die nicht genau auf einer Ge- raden liegen u. dgl., so ist die wahrscheinlichste Lage des Punktes bzw. der Geraden zu ermitteln, d. i. nach der Gaußschen Forde- rung diejenige, bei der die Quadratsumme der Fehler ein Minimum wird. Der Punkt im Dreiseit, der dieser Bedingung genügt, ist der Grebesche (Lemoinesche) Punkt: Schnittpunkt, der an den Winkelhalbierenden gespiegelten Seitenhalbierenden; für ihn ist die geometrische Abstandssumme Null); er ist Schwerpunkt der Höhen- fußpunkte. Darauf beruht die Konstruktion des Punktes, und zwar gleich bei einer Bestimmung aus n Geraden nach dem Bertotschen Verfahren: Man nehme einen Punkt O und einen durch ihn gehenden Kreis beliebig an, fälle von O die Lote auf die gegebenen Ge- raden, deren Fußpunkte heißen R, deren Schnitte mit heißen Q'; S' sei der Schwerpunkt der Q', S der Schwerpunkt der R, [OS] schneide in T', [T'S'] schneide in O', O'P' sei der durch O' gehende Durchmesser von , und ▲OSP~▲ O'S'P'; dann ist P der gesuchte Punkt. B Eine Gerade, die von drei gegebenen Punkten A, B, C die kleinste Abstandsquadratsumme hat, liegt so, daß drei den Abständen pro- portionale an ihr angreifende Kräfte im Gleichgewicht sind. In der Tat, ist (x, y) = 0 die Gleichung der gesuchten Geraden in der Normalform, also 1(A)² + 1(B)² + 1(C)²= Minimum die Bedingung, so folgt durch Differentiation: x¸l(A) + x¸¹(B) + x¿l(C) = 0, y(A) + y,(B) + yl(C) = 0; T 1) Über Fehlerzusammensetzung s. d'Ocagne, Compt. rend. 118 (1894), Ann. de la soc. scient. Bruxelles 18 A (1894), Bull. de la Soc. Math. de France 23 (1895). Czuber, Theorie der Beobachtungsfehler, Teil III, Leipzig 1891. Nitz 1. c., p. 30. 2) S. z. B. Geuer, Die Genauigkeit geometrischer Zeichnungen, Progr. Karlsruhe 1902.