122 Vierter Teil. Höhere algebraische und transzendente Konstruktionen. zahlen zu charakterisieren sein. Die Steinerschen Konstruktionen (s. S. 55) sind dadurch charakterisiert, daß der Kreis die geringste An- zahl von Malen, nämlich einmal geschlagen werden soll, und die Masche- ronischen (s. S. 56) dadurch, daß das Lineal die geringste Anzahl von Malen, nämlich nullmal gebraucht werden soll. Aber zwischen diesen beiden äußersten Fällen liegen alle diejenigen, bei denen Lineal und Zirkel ohne Beschränkung gebraucht werden dürfen.¹) Unter allen bei einer Aufgabe möglichen Lösungen ist nur dann eine bestimmte als einfachste zu bezeichnen, wenn man der Anwendung des Zirkels im Verhältnis zu der des Lineals ein bestimmtes Gewicht g beilegt. Ist dann z. B. a-mal das Lineal und b-mal der Zirkel gebraucht worden, so ist abg ein Maß für die Einfachheit der Konstruktion, und die- jenige Konstruktion unter dieser Annahme die einfachste, für welche diese Zahl am kleinsten ist. Ein Urteil über die Annahme von g kann wohl nur empirisch gewonnen werden.") Nimmt man g = 13), so findet man für die Elementaraufgaben des Paralleleziehens, Lotefällens, Loteerrichtens, Streckehalbierens, Winkelhalbierens sehr einfache geometrographische" Konstruktionen mit dem Einfachheitsmaß 3. Genauigkeit. Die Genauigkeit hängt von den Fehlerquellen ab und wird bei Gleichartigkeit derselben ihrer Anzahl (umgekehrt) pro- portional zu setzen sein. Man begeht zwei Fehler, indem man ein Lineal an zwei Punkte anlegt, oder indem man eine Strecke in einen Zirkel nimmt und eine Zirkelspitze in einen Punkt einsetzt. Ge- schieht das erste a-mal, das zweite b-mal und nennt man g das rela- tive Gewichtsverhältnis der Fehler, so ist abg ein vorläufiges Maß der Genauigkeit. Für jede ganz oder halb willkürliche Linie (z. B. Gerade durch einen gegebenen Punkt, Kreis mit beliebigem Radius um einen gegebenen Punkt) ist die Zahl a bzw. b um zwei bzw. eine Ein- heit zu verringern. Nicht gezählt zu werden braucht, daß die Punkte wegen der Unvollkommenheit der Linien und des Papiers ungenau werden, da dieser Unsicherheit durch die Zählung der Fehler, die der Bestimmung der Punkte anhaften, schon Rech- nung getragen wird. Nicht zu unterscheiden braucht man, ob ein 1) Auch das Abtragen einer Strecke muß als Schlagen eines, wenn auch kleinen Kreisbogens angesehen werden; aber es tritt hier der günstigste Fall einer Punktbestimmung ein, nämlich der, daß die beiden Linien sich senkrecht schneiden. 2) Vgl. hierzu Mehmke, Deutsche Math.-Ver. XII (Leipzig 1903), p. 116; R. Güntsche ib., p. 289. 3) Das tut Lemoine (Assoc. frc. pour l'av. d. sc., Paris 1892, p. 38), und zwar nimmt er bei allen Elementaroperationen gleiches Gewicht an. Seine Ab- zählung ist von der oben vorgeschlagenen etwas verschieden.