Vorwort. VII Für die Wertschätzung des Elementaren berufe ich mich auf Gauss, der an der leider in Vergessenheit geratenen Erchingerschen Konstruktion des regulären Siebzehnecks,,die musterhafte mühsame Sorgfalt alles nicht rein Elementarische zu vermeiden" mit hohen Worten der Anerkennung hervorhebt. Während die Theorie der Konstruktionen vielfach, wenn auch hier zum ersten Male in systematischer, gewissermaßen erschöpfender Weise behandelt wird, ist das für die Theorie der Approximationen nicht der Fall. Auf die Notwendigkeit, diese Gebiete mehr zu pflegen, hat vor allem Klein¹) nachdrücklich hingewiesen, und manche Arbeit ist aus dieser Anregung hervorgegangen. Soll hier nicht wieder die Verbindung mit den Elementen abreißen, so muß auch den elemen- taren Näherungsmethoden zu ihrem Rechte verholfen werden. In der Geometrie, wie sie in Euklids Elementen sich durch zwei Jahrtausende fast unverändert erhalten hat, war für diese Methoden kein Platz. Daher mag es kommen, daß dieselben auch sonst verhältnismäßig wenig berücksichtigt wurden. Demgegenüber habe ich Wert darauf gelegt, einige ältere Näherungsmethoden, wie sie sich bei den Ägyptern, Griechen und Indern und auch bei uns in älterer Zeit, so namentlich bei Dürer, Vieta, Huyghens u. a. fanden, wieder in Erinnerung zu bringen. Dabei hat auch eine der Laguerreschen ähnliche, aber einfachere Approximation der goniometrischen Funktionen von Bhaskara, deren Entstehung für rätselhaft galt, ihre Aufklärung gefunden. Ebenso eine bisher nicht interpretierte Heronische Kubikwurzelapproximation. Es handelt sich hier um eine gebrochene Interpolation, zu der sich ein Analogon bei Gauss findet. Für die Fehlertheorie der geometri- schen Konstruktionen wurde außer der Gaussschen Methode der kleinsten Fehlerquadratsummen auch die Poncelet- Tchebycheffsche des kleinsten Maximalfehlers herangezogen. Die niedere Analysis tritt in diesem Buche nur als Mittel zum Zweck auf. Da sie, im Gegensatz zu den anderen Teilen des Buches, anderweitig gründliche Behandlung erfahren hat, kommt sie hier nur abrißweise zur Darstellung. Ich habe geglaubt, mich von den Worten Hermites) leiten lassen zu dürfen: L'admiration, a-t-on dit, est le principe du savoir, ...; je m'auto- riserai de cette pensée pour exprimer le désir qu'on fasse la part la plus large, pour les étudiants aux choses simples et belles, qu'à l'extrême rigueur aujourd'hui si en honneur, mais bien peu attrayante, souvent même fatigante et sans grand profit pour le commençant qui n'en peut comprendre l'intérêt. 1902. 1) Anwendung der Differential- und Integralrechnung auf Geometrie. Leipzig 2) Oeuvres I, p. XXXVII.