118 B. Besonderes nung. Noch kleiner sind die Atome der negativen Elektrizität, der Elektronen, deren Masse (Trägheitswiderstand) auf 10-97 g angegeben wird. Damit ist die kleinste Masse erreicht, die die heutige Forschung kennt. Wir haben in diesen Zahlen nicht le- diglich theoretische Ergebnisse, die sich in Rechnungen gut ver- wenden lassen und die deshalb als ,,Arbeitshypothese" wertvoll sind, zu erblicken, sondern wir haben uns zu fragen, ob wir diese kleinen Größen und die ganze Atomtheorie für Wahrheit und für Wirklichkeit halten sollen. Natürlich wird der Grad der Wirklich- keit nur derjenige der dritten Stufe (vgl. § 6) sein können, direkt wahrnehmen und erleben können wir die Atome und Elektronen nicht. Aber der ehrliche Physiker tut gut, sich keine reservatio mentalis vorzubehalten, ob er die Atome für wirklich halten soll oder nicht: für ihn ist die Hauptfrage die, ob es wahr ist, daß es Atome gibt und welches ihre wahren Eigenschaften sind. Es ist anzunehmen, daß es immer nur möglich sein wird, einen Indizienbeweis für die Wahrheit dieser Größen zu geben und nie den direkten Beweis der ersten Stufe (vgl. § 2); dies ist aber keine Frage der Wahrheit, sondern eine technische Frage des Nachweises der Wahrheit. Ebenso wie mit den Atomen, steht es mit dem Äther. Der Äther in einem physikalischen Raum ist dasjenige hypothetische Medium, d. h. derjenige Naturkörper, welcher auch bei Ab- wesenheit aller wägbaren Naturkörper, wie Gase, Flüssigkeiten, feste Körper, elektrische und magnetische Energien beherbergt und elektromagnetische Wellenenergie mit Lichtgeschwindigkeit fortleitet. Ob dieser Äther seinerseits aus Atomen besteht oder kontinuierlich ist, ob er einheitlich oder eine Mischung verschie- dener Äthersorten ist, alles das ist Aufgabe der Physik näher zu erforschen. Auch der Äther ist für den Physiker kein denkökono- mischer oder aus anderen formalen Gründen zu behandelnder Ein- fall, sondern entweder eine Tatsache oder nichts: gibt es wirk- lich einen Weltäther oder nicht? Welches sind seine wirklichen Eigenschaften? Das sind die wesentlichen Fragen, die zu beant- worten Aufgabe der physikalischen Forschung ist.