Kraft. Masse 115 § 22. Masse. Der Begriff der Masse ist im Gegensatz zu dem der Kraft nicht direkt und einfach der Sinnes wahrnehmung nahegelegt, sondern es gehört schon eine etwas höhere Stufe der physikalischen Er- fahrung dazu, um ihn zu entwickeln. Es sind besonders zwei Klassen von Erscheinungen, die zum Massenbegriff geführt ha- ben: die Massenträgheit und die Gravitation. Was die ursprünglichere und auch der primitiven technischen Erfahrung zugängliche,,träge Masse" anlangt, so knüpft dieser Begriff, ähnlich wie der Kraftbegriff, an gewisse einfache Beobach- tungen, z. B. beim Heben und Bewegen von Steinen, Holz und anderen Naturkörpern, mit Zuhilfenahme unserer Gliedmaßen, an. Gibt auf dieser Stufe der physikalischen Erkenntnis der Kraft- begriff die dem Menschen naheliegendste, aktive Seite des Vor- ganges wieder, so sucht der Massenbegriff dem passiven Ver- halten des Körpers gerecht zu werden: der Körper scheint bei einem Bewegungsvorgang der Kraft einen Widerstand entgegen- zusetzen, indem es ganz verschieden großer Kräfte bedarf, um die verschieden großen Steine oder Holzstücke fortzurollen oder zu heben. So entsteht der Begriff der trägen Masse eines Na- turkörpers als der eines trägen Widerstandes gegen Bewegung: je größer dieser Widerstand, um so größer die zum Bewegen nötige Kraft, und umgekehrt: je größer die zur Verfügung stehende Kraft, eine um so größere Masse kann bewegt oder gehoben werden. In diesen einfachen Erfahrungen sind, wie man sieht, zwei ver- schiedene Begriffe miteinander verwebt, die dann erst später als ,,träge Masse" und,,schwere Masse" getrennt werden. Die träge Masse läßt recht eigentlich die Passivität der Masse hervortreten; sie wird gemessen durch Bewegung; in der Weise, daß die Maß- zahl der Masse gleich der Maßzahl derjenigen Kraft ist, welche nötig ist, um die Beschleunigung I hervorzurufen. Diese Bezie- hung ist in der Grundgleichung K=m. d's d t2 enthalten. Die Gleichung, welche eine willkürliche Definition der