Entropie. Kraft 113 Kraft zum Ausdruck bringt, ist es die Muskelanstrengung, z. B. des Armes, beim Heben eines Gewichtes, die dem physikalischen Kraftbegriff die natürliche und unmittelbar einleuchtende Unter- lage verleiht. Der physikalische Kraftbegriff baut sich also auf einem physiologisch-psychologischen Grunde auf; er ist so deut- lich anthropomorph wie es nur möglich ist. Leibniz äußerte sich sehr bezeichnend dahin, daß Kraft,,etwas der Seele Ana- loges" sei. Die Unterschiede der verschiedenen physikalischen Kräfte be- ziehen sich nicht auf den Begriff der Kraft selbst, sondern ledig- lich auf die Erzeugungsweise. Wenn wir ein Gummiband mit den Händen spannen, so erzeugen wir eine,,elastische Kraft“, näm- lich infolge der Eigenschaft des Gummis, Elastizität genannt, bei der Streckung einen Zug auszuüben. Wenn wir andererseits in der einen Hand ein Stück Eisen, in der anderen einen Magneten halten und die,,magnetische Kraft" beobachten, so nehmen wir wieder dieselbe Kraftwirkung wahr: die physiologisch-psycholo- gische Grundlage, die Wahrnehmung der Kraftwirkungen der Naturkörper, ist immer dieselbe, aber es besteht eine Verschieden- heit der technischen Apparate zur Erzeugung der Kräfte. Die Physik sucht sich, wie immer, von dem subjektiven Inhalt des Begriffes möglichst frei zu machen. Dies geschieht einmal dadurch, daß der Vorgang idealisiert und sodann dadurch, daß der idealisierte Vorgang meßbar gemacht wird. Die Skala der verschieden großen Kräfte ist nahegelegt durch verschieden große Gewichte, z. B. verschieden große Steine oder Metallstücke, wel- che verschieden große Drucke auf die Hand oder einen Zug auf den Arm ausüben. Die Skala der Muskelempfindungen, genannt Kräfte, ist der Beobachtung nicht durch eine diskontinuier- liche Reihe von Einzelempfindungen nahegelegt, sondern sie er- scheint der primitiven alltäglichen Erfahrung sehr verständlich durch eine kontinuierliche Skala von möglichen Muskel- empfindungen, erzeugbar durch beliebig fein abgestufte Gewichts- stücke, gegeben. Daß diese kontinuierliche Skala, genau so wie in früheren Fällen, eine hypothetische, idealisierte ist und nur