112 B. Besonderes Loschmidt und Boltzmann zugrunde. Der erstere behaup- tete, es sei möglich, mittels einzelner oder weniger Gasmoleküle Wärme von einem Körper mit niederer zu einem solchen mit hö- herer Temperatur überzuführen, der letztere wies durch Rech- nung nach, daß bei sehr vielen, quasi unendlich vielen, Gas- molekülen ein solcher Übergang nicht möglich sei. Daß der Lo- schmidtsche Gedanke sich auf Einzelgegenstände, die Berech- nungen Boltzmanns auf Kollektivgegenstände bezogen, ist augenscheinlich den Zeitgenossen dieses Streites unbemerkt geblieben. Wie auch in der neuesten physikalischen Literatur unbeachtet zu bleiben pflegt, daß der Entropiebegriff nur nähe- rungsweise definiert ist, und daß der zweite Hauptsatz, so weitgehend sein Bereich für Vorgänge mit sehr großen Anzahlen von Molekülen gehen mag, doch nur näherungsweise gültig ist, und nur für sehr große Molekülzahlen. Für geringe Molekül- zahlen gilt der zweite Hauptsatz so ungenau, daß er als praktisch ungültig anzusehen ist. Der zweite Hauptsatz ist demnach nicht von der universellen, alle Naturvorgänge umfassenden Bedeutung wie der erste Hauptsatz, denn er erstreckt sich überhaupt nur auf spezielle Erscheinungen der Wärme. Er ist also eigentlich kein Hauptsatz, sondern ein Nebensatz. Ebenso ist auch ein perpe- tuum mobile zweiter Art für wenige Moleküle als herstellbar, für viele Moleküle ebenfalls noch als herstellbar, für ungeheuer viele Moleküle als praktisch nicht mehr herstellbar anzusehen. Die Unmöglichkeit, ein perpetuum mobile zweiter Art zu bauen, be- steht also nicht grundsätzlich, sondern bezieht sich nur auf den Näherungsgrad der technischen Herstellung. Demgegenüber scheint das perpetuum mobile erster Art grundsätzlich unmöglich zu sein. § 21. Kraft. Der Kraftbegriff der Physik knüpft ursprünglich und unver- kennbar an eine Sinneswahrnehmung an. Wie schon der Name 1 Loschmidt, Wiener Sitzungsberichte 76, S. 209, 1878. 2 Boltzmann, ebenda 1875 und 1876.