108 B. Besonderes dynamisch eingeführte Entropie-Größe S also keine physikalische Größe im gewöhnlichen Sinne, sondern eine Abnormität, die nur durch den Nutzen, den sie bei der Beschreibung bringt, gerecht- fertigt ist; es kann eben unter Umständen nützlicher sein, den Logarithmus der Maßzahl einer physikalischen Größe zu be- trachten als die Maßzahl selbst. § 20. Entropie. Die Entropie ist ein physikalischer Begriff, der erst auf hoher Entwicklungsstufe der Wissenschaft entstanden ist und dem rein gar nichts Primitives anhaftet. Auch als anschaulich kann man ihn nicht ansprechen. Der Begriff der Entropie ist also ein Schul- fall eines von der Wissenschaft selbst gebildeten, abstrakten phy- sikalischen Begriffes; über seine historische Entstehung vgl. be- sonders die Ausführungen von Mach: Prinzipien der Wärmelehre, Leipzig 1900. Die Entropie in ihrer ursprünglichen Form ist natürlich durch die Maßzahl einer Entropieeinheitsgröße meßbar. Was bei der Raumstrecke, der Zeitstrecke und anderen physikalischen Grö- Ben nur nach näherer Untersuchung einzusehen ist, daß sie näm- lich auf eine abstrakt herausgehobene Seite eines physikali- schen Vorgangs Bezug nehmen oder, mit anderen Worten aus- gedrückt, daß sie einen idealisierten physikalischen Vorgang zur Grundlage haben, ist bei der Entropie leicht ersichtlich, denn ihre Definition ist am einfachsten zu geben, wenn man an Vor- gänge in einem,,idealen“ Gase anknüpft; ein solches ist ein Gas, von dem man von vornherein bewußt annimmt, daß es, genau ge- nommen, nicht existiert, sondern nur näherungsweise ein wirk- liches Gas in seinen thermischen Eigenschaften gedanklich wie- dergibt. Die Entropiemaßzahl S eines,,idealen Gases" der Masse M, der Temperatur, des spezifischen Volumens v, der spezifi- schen Wärme c, dem Molekulargewicht m ist gegeben durch den Ausdruck (1) = R m S M (c, log+log v + const).