Temperatur 95 dienen kann, die Wärmeerscheinungen zu beschreiben und in For- meln zu fassen. Genau so wie bei Raum, Zeit und Geschwindig- keit stehen wir vor der Frage, ob die einmal festgelegte Tem- peraturskala endliche Grenzen hat oder unendlich ist wie die Skala der Zahlen. Während bei physikalischem Raum und Zeit solche Grenzen nicht feststehen und nur als unanschauliche Denkmöglichkeit diskutabel sind, stehen sie bei der Temperatur so gut wie fest: nach oben hin erscheint die Skala der physikalisch definierbaren Temperaturen begrenzt durch denjenigen Hitze- grad, bei dem die Moleküle des erhitzten Körpers¹ sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegen. Eine noch größere Temperatur als diese ist nach unseren heutigen Erfahrungen ebensowenig wahrscheinlich wie eine relative Geschwindigkeit zweier Massen, die größer ist als die doppelte Lichtgeschwindigkeit.2 Nach unten hin erscheint die Temperaturskala begrenzt durch den- jenigen Zustand, bei welchem die Molekeln die Geschwindigkeit Null besitzen. Auch der nur näherungsweise und bedingungsweise gültige, so- zusagen provisorische Charakter eines physikalischen Begriffes ist aufs deutlichste am Temperaturbegriff ersichtlich: z. B. ist die Temperatur eines im Wärmegleichgewicht befindlichen Gases nicht bis zu beliebiger Genauigkeit definierbar; die Genauigkeit ist um so größer, je dichter das Gas und je größer sein Volumen. Für einen sehr kleinen Raum, sagen wir von I Milliontel mm³, er- leidet die Maßzahl der Temperatur in diesem Gasraum zeitliche Schwankungen unregelmäßiger Art, die zahlenmäßig angebbar sind, und die dem alten Temperaturbegriff den Boden entziehen: der Temperaturbegriff bedarf einer verfeinerten Definition, aber niemand kann annehmen, daß die Temperatur nunmehr einer unendlich weitgehenden Genauigkeit in ihrer Definition fähig ist. Die heute in der Physik am meisten gebrauchte Temperatur- ¹ Hier wird von gewissen Einzelheiten abgesehen. 2 Wenn sich z. B. ein Elektron mit Lichtgeschwindigkeit (als ß-Strahl) nach rechts und eines mit Lichtgeschwindigkeit nach links bewegt, so haben beide relativ zueinander die doppelte Lichtgeschwindigkeit. **