92 B. Besonderes zur Beschreibung von Bewegungsvorgängen verantwortlich zu machen. Die willkürliche Bevorzugung der Gleichungen 1), 2), 3) vor der Gleichung 4) und ihren Ableitungen bringt zum Ausdruck, daß die,,Urvariable" der Phoronomie die Zeit und nicht der Raum ist. Die Bewegungsvorgänge der Natur bauen sich in for- maleinfacherer Weise auf die Zeit als auf den Raum auf. Das ist aber, wie die Stetigkeit (vgl. S. 86), eine Eigenheit der Natur; von vornherein ist in der reinen Phoronomie Raum und Zeit gleichberechtigt, ebenso wie von vornherein eine unstetige, zeitliche Aufeinanderfolge von Weltbildern R。, R1, R2….. denk- bar war (vgl. S. 90). Der Begriff der Bewegung, der (mit angenäherter Verbürgtheit) den Ablauf der natürlichen physikalischen Erscheinungen be- herrscht, hat eine doppelte Seite, denn er drückt eine Rela- tion aus. Es hat keinen Sinn, von der Bewegung eines Punktes schlechthin zu reden, wenn nicht deutlich ist, in bezug wozu die Bewegung vor sich geht. Ein Bewegtes setzt also implizite ein Solches voraus, relativ zu dem sich das Bewegte bewegt. Aus diesen Überlegungen entspringt eine Klasse von Fragestellungen, die als Probleme von der absoluten und relativen Bewegung be- zeichnet werden und über die vielfacher Streit unter den ver- schiedenen Forschern entbrannt ist. Ich habe dargelegt¹, daß diese Streitigkeiten sich z. T. schlichten, wenn man den Sinn be- achtet, den die verschiedenen Autoren dem Worte,,absolute Be- wegung" beilegen; es kommen viele Widersprüche in Fortfall, wenn man berücksichtigt, daß die verschiedenen Ansichten auf verschiedene Gegenstände Bezug haben. Die Frage, welche Arten von Bewegungen mechanisch als relative, welche als ab- solute anzusehen sind, dürfte heute erledigt sein², ebenso halte ich die Frage der sogenannten Inertialsysteme der Mechanik für erledigt und es sei in dieser Hinsicht auf die zitierten Abhandlun- gen verwiesen. Die Frage nach der relativen und absoluten Be- 1 E. Gehrcke, Sitzungsber. d. Kgl. Bayer. Akad. d. Wiss., München 1912. 2 E. Gehrcke, Verh. Dtsch. Phys. Ges. 15, 260, 1913. --