Bewegung und Geschwindigkeit 89 eine Masse, ein elektrisches Feld) bewegt sich also mit der Ein- heit der Bewegung, wenn er in der Zeiteinheit gerade eine Längeneinheit zurücklegt, oder, was dasselbe besagt: wenn er zur Vollendung einer Längeneinheit gerade eine Zeiteinheit gebraucht. An dieser Einheit werden alle anderen Bewegungen gemessen, die so erhaltenen Maßzahlen heißen Geschwindigkeitszahlen oder kurz Geschwindigkeiten, und zwar ist die Geschwindigkeitszahl v das Verhältnis der Zahl der Längeneinheiten s durch die Zahl der Zeiteinheiten t: I) 2= S t Diese Gleichung definiert also die Maßzahl v der Geschwindigkeit; sie mißt jede Geschwindigkeit, d. h. vergleicht sie mit der Ge- schwindigkeitseinheit. Es ist durchaus nicht etwa so, wie es in vielen Physikbüchern mißverständlich ausgedrückt ist, daß v die Geschwindigkeit selbst wäre; diese Auffassung ver- wechselt die Maßzahl einer Größe mit der Größe selbst. Wäre die Geschwindigkeit eines fliegenden Geschosses weiter nichts als eine Zahl, so könnte sie keine Realität haben, dann könnte allenfalls das Geschoß, aber nicht seine Geschwindigkeit wirklich sein. Andererseits müßte man von diesem Standpunkte auch das, was man eine Strecke s nennt, nur als Maßzahl s, eine Zeit t nur als Maßzahlt auffassen, was offenbar absurd ist. Übrigens kommt der vergleichende Sinn der kurzen Gleichung 1) bei dem originalen Denker der Bewegungserscheinungen, Galilei, deutlich zum Ausdruck; Galilei hatte die moderne, ökonomisch kurze Gleichung 1) noch nicht, sondern statt dessen Proportionen wie: c:c' = t:t', wenn s = s', oder s:s' = ct: c't' usw. Diese schwerfällige Schreibweise hat immerhin den Vorzug, deutlich zu machen, daß wir zwei Bewegungen miteinander vergleichen, wenn wir eine Gleichung 1) über Geschwindigkeit hinschreiben: wir vergleichen in der Gleichung 1) eine Geschwindigkeit der Maßzahl mit einer solchen der Maßzahl I. ย Die Definition 1) ist willkürlich; wir könnten beispielsweise das Quadrat (→)*, oder etwa die Funktion:c-, Wo c eine