Bewegung und Geschwindigkeit 87 zeitliche Folge nennen. Diese Auffassung mag hier nicht weiter erörtert werden. Wir drücken die Stetigkeit des raumzeitlichen Geschehens in der Natur oft durch den Begriff der Bewegung aus. Dieser Begriff geht über unsere Wahrnehmung hinaus, indem er impli- zite behauptet, daß diejenigen, zu den Zeiten to, t₁, tą... existie- renden Teile der Welträume Ro, R1, R2..., welche stetig mit- einander zusammenhängen, ein und dieselben, über Raum und Zeit sozusagen erhabenen „,Dinge" sind. Der Begriff der Bewegung setzt also einen Träger der Bewegung voraus. In dem uns gegebenen stetigen raumzeitlichen Ablauf der Natur wird damit von uns etwas hineingelegt, das als das Eigentliche, Exi- stierende angesehen wird, durch welches Raum und Zeit sozusagen hindurchfließt. Daraus, daß wir den Träger der Bewegung kon- struieren, folgt aber nicht, daß er nur konstruiert, also unwirk- lich ist er kann konstruiert und real, z. B. zufällig rich- tig konstruiert sein. Die Hypothese, daß das konstruierte Ding als Träger der Bewegung außerdem real sei, wollen wir hier an- nehmen und stellen uns also wieder auf den Standpunkt des Rea- listen, wobei wir uns bewußt bleiben, daß wir dies hypothetisch, ohne die Möglichkeit eines Beweises für die Richtigkeit tun; aber wir erachten andererseits auch die idealistische These, daß das ,,Ding“ nur konstruiert, nicht real sei, lediglich als theoretisch zulässig und als unbewiesen (vgl. §§ 13 und 14). Der Träger der Bewegung, das Reale, das sich bewegt, braucht kein körperliches Ding, keine Materie zu sein. In der Mechanik zwar kennt man nur bewegte Massen oder Massen punkte, also Massen von verschwindend geringer räumlicher Ausdehnung; aber in der allgemeinen Physik wird oft auch als Träger einer Be- wegung ein (unkörperlicher) Zustand angenommen. Dies ist besonders häufig der Fall bei der Erörterung von Wellen bewe- gungen: die infolge der Sonnenstrahlen in die Erde eindringende Temperaturwelle, die durch den Weltraum eilende Lich welle, die Welle der funkentelegraphischen Sender alles dies sind Be- wegungserscheinungen, deren Träger keine Materie, sondern ein ---