Zeit 73 dienlich, die verschiedenen Denkrichtungen und Berufe der Den- ker zu beachten: es äußern sich hier Philosophen, Mathematiker und Physiker. Diese drei Richtungen müssen auf das Problem abfärben. Was zunächst den Ausdruck von Mach anlangt, daß Zeit und Raum,,Empfindungen" seien, die Mach gelegentlich in einem Atem mit Wärmeempfindung und Schallempfindung nennt, so ist zu bedenken, daß sich Zeit und Raum von den Empfindungen (sekundären Qualitäten) dadurch wesentlich unterscheiden, daß sie keine Intensität haben: Jeder Farbeneindruck, jeder Ton, usw. besitzt eine Intensität und kann in seiner Stärke so weit ge- steigert werden, daß er weh tut, Raum und Zeit dagegen sind keiner Steigerung fähig, sie sind immer neutral, tun nie weh. Wohl aber ist die Zeit (wie der Raum) als Eigenschaft irgend- welches Wahrnehmungsinhalts oder Empfindungsinhalts mit gegeben, und ebenso wie wir nicht imstande sind, die Eigenschaft der räumlichen Ausdehnung z. B. an den Buchstaben, die wir lesen, von der Qualität der schwarzen Farbe (vgl. § 13 S. 57) zu trennen, so nehmen wir auch in dem Sinneseindruck der Buch- staben ihre zeitliche Dauer direkt und unablösbar wahr. Im Einklang mit Mach können wir sonach, wie beim Raum, von dem Empfindungsinhalt ausgehen und ,,physiologische Zeiten" als charakteristische Eigenschaften verschiedener Sinneswahrneh- mungen und deren Erinnerungen, der Vorstellungen, feststellen: wir hätten dann zu unterscheiden zwischen der physiologischen Zeit in einer akustischen Wahrnehmung, also kurz der,,akusti- schen Zeit", ferner zwischen einer physiologischen Zeit optischer Wahrnehmungen, kurz der,,optischen Zeit" usw. Alle diese würden also Gegenstücke zu den verschiedenen physiologischen Räumen (vgl. S. 58) bilden; doch erscheint es schwierig, auf Un- terschiede in den verschiedenen physiologischen Zeiten hinzu- weisen, wie das bei den physiologischen Räumen möglich ist; vielleicht gelingt es aber noch, die Unterschiede herauszuarbeiten. Die physiologischen Zeiten sind offenbar viel blassere Gegen- stände als die physiologischen Räume, und die geringe Zahl der