62 B. Besonderes in der Wissenschaft, der Nötigung, handelnd aufzutreten und nicht nur ausschließlich denkend. Übrigens pflegen auch die meisten idealistischen Philosophen eine idealistische Grundan- sicht durch eine realistische zu ersetzen, sobald sie sich im prak- tischen Leben betätigen; diese Inkonsequenz nimmt jedenfalls nicht für den Idealismus ein. Es liegt offenbar keine Notwendig- keit vor, den Idealismus zuungunsten eines Realismus anzuneh- men. Vielmehr erscheint die Behauptung höchst willkürlich, daß der Raum, weil er den Sinneswahrnehmungen und unseren Be- griffen eigentümlich ist, nur den Sinneswahrnehmungen und un- seren Begriffen eigentümlich sein könne und nichts weiter; dieser Schluß ist ähnlich wie etwa der folgende: weil die Sprache von Menschen gesprochen wird, kann sie nur von Menschen ge- sprochen werden und von sonst niemandem, von keinem Tier, Grammophon od. dgl. Warum soll nicht in dem unend- lichen Meer von Raumgesetzlichkeiten sich eine finden, die denk- bar und außerdem wahr ist? Auch ist zu bedenken, daß so außerordentlich verschiedenartige Empfindungen wie z. B. Sehen und Tasten gemeinsame räumliche Eigen- schaften besitzen, daß also das Räumliche eine Eigenschaft, die außerordentlich verschiedenen Subjekten zukommen kann, ist. Ja, das Räumliche ist in den Empfindungen, die als solche auch vom größten Skeptiker nicht als unwirklich erachtet wer- den können, bereits in etwas Wirklichem, Seiendem enthalten; es ist also kein Grund einzusehen, warum das Räumliche, das als Empfindungsinhalt empirische Realität hat, in physikalischen Vorgängen nicht soll objektiv real sein können. Wir sind so- nach in der Lage, der Auffassung des Descartes zuzustimmen (vgl. S. 57), daß die räumliche Ausdehnung eine reale Eigen- schaft eines Realen, nämlich der Materie, sei. Die Frage, wie etwas Objektives, Reales, nämlich die physi- kalischen Vorgänge, in einem subjektiven Ordnungsschema, dem Raume, sein könne, hätten wir damit im Sinne des Realismus be- antwortet. Diese Antwort ist ebensowenig wie die idealistische von Kant zu beweisen, aber offenbar auch nicht zu widerlegen,