Physikalische Begriffe 53 Planck' der Natur eine größere Vorliebe für den Endzustand als für den Anfangszustand eines irreversiblen Prozesses zu- spricht, so sind alles dies antropomorphe Betrachtungsweisen, die verwandt sind dem Fetischismus des Naturmenschen, der in je- dem natürlichen Vorgang das Walten einer geheimnisvollen, be- seelten Macht sieht. Antropomorphe Reste treten übrigens auch in vielen Namen von physikalischen Begriffen zutage, wie z. B. Kraft, lebendige Kraft, Trägheit, Energie, Arbeit, Empfind- lichkeit (z. B. einer photographischen Platte) usw. Wir können aus dieser Sachlage entnehmen, daß sich in phy- sikalischen Begriffen anthropomorphe Einschläge einstellen kön- nen, die augenscheinlich durch die Rätselhaftigkeit der Natur- erscheinungen, welche dem Begriff zugrunde liegt, begünstigt werden. Andererseits wird die Meinung vertreten, daß dieser Einschlag nicht zu dem eigentlichen wissenschaftlichen Kern eines physikalischen Begriffs gehört, sondern eine willkür- liche Zutat bildet: es muß allerdings möglich sein, einen schärferen Begriff vom Magnetismus zu erhalten als den von ,,Liebe und Haß" der Magnetpole, und einen exakteren Begriff von der En- tropie als den eines ,,Maßstabes für die Vorliebe der Natur". Aber ganz ohne anthropomorphen Rest, d. h. ohne eine aus dem Wahrnehmungsvorgang herrührende Zutat, dürfte sich kein phy- sikalischer Begriff bilden lassen. Eine besondere Rolle spielen die höheren, die abgeleiteten Be- griffe der Physik. Hierfür ein Beispiel: Ein Pendel möge Schwin- gungen im Schwerefelde der Erde vollführen. An diesem Vor- gang können wir verschiedenerlei beschreiben: z. B. die Ge- schwindigkeit in jedem Augenblick angeben, die Abhängigkeit des Elongationswinkels von der Zeit usw. Diese Beschreibung ge- schieht durch Formeln, die die Maßzahlen der einzelnen Größen, wie Geschwindigkeit, Elongationswinkel usw. als Funktion der Maßzahl der Zeit, der Fadenlänge usw. angeben (vgl. § 8). Dabei wird auch eine durch ihre Einfachheit auffällige Beziehung zwi- 1 Planck, Über den zweiten Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie, München 1879.