Kausalität. Physikalische Begriffe 51 aufgebauten Schlußweisen die elegantesten, bequemsten, denk- ökonomischsten sein, und sie sind es auch meist, und so mag es kommen, daß zuweilen eine konditionale Theorie für besser als die kausale gehalten wird. Nur der Physiker und Naturphilosoph hat das Bedürfnis, zu den letzten, äußersten Bedingungen der Naturvorgänge, den kausalen Differentialverknüpfungen in Zeit und Raum vorzudringen, was, wie gesagt, nicht heißt, daß diese kausale Betrachtungsweise, so ursprünglich sie ist, auch zweck- mäßig zur schnellen Berechnung der quantitativen Verhältnisse eines Problems sein muß. § 12. Die Entstehung physikalischer Begriffe. Die physikalischen Begriffe entstehen, da sie auf Beobachtun- gen von Naturerscheinungen gegründet sind und an Erfahrungen anknüpfen, durch Nachdenken über Naturerscheinungen, ebenso wie die Begriffe des täglichen Lebens durch Abstraktion aus den Wahrnehmungen des täglichen Lebens zustande kommen. So dürfte z. B. der physikalische Begriff,,Masse“ aus primitiven Er- fahrungen im Umgang mit Holz, Steinen, auch unseren Glied- maßen usw. entstanden sein. Weniger ein wissenschaftlicher Er- kenntnistrieb, als die drückenden Bedürfnisse des Lebens und die bewußte und unbewußte Steigerung der Lebensbedürfnisse durch Technik sind es, die die ersten primitiven Begriffe der Physik bildeten; als die ersten wissenschaftlichen Physiker an die physi- kalischen Erscheinungen herantraten, fanden sie daher bereits eine ganze Zahl von physikalischen Begriffen vor; sie brauchten diese nicht erst zu schaffen, sondern sich nur um die Klarstellung und Verfeinerung zu bemühen. - Primitive, physikalische Be- griffe sind ferner Geschwindigkeit, Druck, Lichtstärke und andere. Die Lage der ersten Physiker werden wir also so auffassen kön- nen, daß die Vorgänge, die zur Erzeugung physikalischer Be- griffe führten, sich schon abspielten, als es noch keine Menschen gab, die sich Physiker nannten und die die Bildung physikalischer Begriffe als etwas Besonderes, Wissenschaftliches empfanden; das bloße Bewußtwerden dieser wissenschaftlichen Tätigkeit