46 A. Allgemeines einander her. Jede ist in ihrer Art wohl unersetzlich. Man be- merkt, daß die mehr mathematisch gewendeten Forscher durch das Fehlen der kausalen Beschreibung nicht bedrückt werden und daß sie zufrieden sind, wenn sie die hinreichenden Be- dingungen, die ein physikalisches Problem eindeutig festlegen, gefunden haben und daraus Schlüsse ziehen können. Dagegen tritt bei den eigentlichen physikalischen Forschern der Drang nach der,,wahren Ursache" einer Erscheinung in den Vorder- grund, und sie pflegen erst, wenn sie diese gefunden, ihrem Drän- gen nach Erkenntnis genügt zu haben. So haben wir hier den Unterschied, der zwischen dem mathematischen (theoretischen) und dem experimentellen Physiker im Betriebe der Wissenschaft hervortritt, auf den Unterschied zwischen konditionalem und kausalem Denken zurückgeführt. An Beispielen aus der Ge- schichte sei angeführt: Faradays Leistung einer Theorie der Elek- trizität bestand darin, daß er die vorhandene hochentwickelte, mathematisch-konditionale Betrachtungsweise durch eine kau- sale ersetzte; andererseits bestand Galileis Tat der Aufstellung der Fallgesetze darin, daß er die auf die Ursache der Schwerkraft gerichteten Spekulationen der Scholastiker vermied und an die Stelle des kausalen Forschens vorerst die konditionale Frage nach dem mathematischen Gesetz der Fallbewegung stellte und löste. Welche Art der Betrachtung in einem gegebenen Falle diejenige ist, die dem Fortschritt der Wissenschaft am besten dient, dürfte von der Eigenart des speziellen Problems abhängen. So ist z. B. die Newtonsche Annahme von Fernkräften mathematisch außerordentlich ökonomisch, obgleich physikalisch unwahrschein- lich; der kausale Zusammenhang ist hier aber noch heute dunkel. Die konditionalen Theorien sind meist glatter und bequemer im Gebrauch als die kausalen. Das mag daher rühren, daß die konditionalen Theorien dem logischen Verstande ange- paßt sind. Die kausalen Theorien dagegen sind ohne jede Rück- sicht auf Denkökonomie gebaut und lassen einfach in Gedanken eine zeitlich-räumliche Folge von Naturereignissen vor unseren geistigen Augen ablaufen; der Kausalnexus ist also recht eigent-