Konditionale und kausale Naturbeschreibung 45 einem Mathematiker und wie von einem Physiker beschrieben? Der erstere würde z. B. auf das Amperesche Kraftgesetz hin- weisen, wonach die zwischen zwei Stromelementen wirkende const - • Kraft k = (3 cos cos 2-2 cos ε); also ist, da v₁ bzw. a (die Winkel je eines Stromelements gegen die Verbindungslinier beider) spitz, und &, der Winkel der Stromelemente untereinander, 90° beträgt, k positiv, so daß eine abstoßende Kraft zwischen dem beweglichen Leiterteil A und den stromdurchflossenen Stromrinnen eintritt. Der Physiker würde etwa sagen: der ge- schlossene Strom erzeugt magnetische Kraftlinien, deren Dichte am größten ist im Innern der Stromschleife. Da nun diese Kraft- linien sich gegenseitig drücken, so muß der bewegliche Leiterteil A dem Drucke nachgeben und sich parallel den Rinnen in Bewe- gung setzen. Man sieht wieder, worauf es hier ankommt: die mathematische, konditionale Betrachtung ist vollständig hin- reichend zur Erzielung des Ergebnisses, kümmert sich aber nicht um,,die physikalischen Bedingungen“, d. h. um die kau- salen, den Vorgang aus dem zeitlich vorhergehenden Zu- stand begreiflich machenden Bedingungen. Daher ist eine mathe- matische, konditionale Beschreibung mehrdeutig und kann auf die verschiedenartigsten Weisen erfolgen. So kann auch das obige Amperesche Kraftgesetz durch andere mathematische Ausdrücke ersetzt werden. Die physikalische, kausale Be- schreibung erstrebt stets eine, wahre, der Natur möglichst nahekommende zu sein. Beide Arten der Beschreibung, sowohl die konditionale wie die kausale, können natürlich nur nä- herungsweise zutreffen; daher kann durch Verfeinerung der Beobachtungen oder durch sonstigen wissenschaftlichen Fort- schritt eine kausale Beschreibung in die Rolle einer konditionalen gedrückt werden. Aber es kann nicht eine konditionale Be- schreibung, welche einen physikalischen Zustand zu einer Zeit t durch andere Bedingungen beschreibt als solche, die zur Zeit t -dt herrschen, zu einer kausalen Beschreibung werden. In der Physik gehen die beiden Betrachtungsweisen neben- Gehrcke, Physik und Erkenntnistheorie 4