Grenzen der Anschauungsfelder 17 Denkmöglichkeiten, logische Konstruktionen sein, nicht Gegen- stand einer Wahrnehmung oder Anschauung. In obigem Sinne können wir auch von Zahlen reden, die an- schaulicher Vorstellung zugänglich sind. Ein Zahlenverhält- nis 1: Million ist z. B. von jedem zivilisierten Menschen anschau- lich vorstellbar; jeder kann sich vorstellen, daß ein Kilometer mit lauter Millimeterstrichen versehen ist, d. h. mit 1 Million Strichen. Der naive Mensch kennt ebensowenig sehr große Zahlen wie einen unendlichen Raum, und so war im Altertum die Aufstel- lung sehr großer Zahlen durch Archimedes eine Entdeckung und wurde als etwas Neues, Merkwürdiges angesehen; der Ge- bildete von heute hat eine gewisse Mühe nötig, sich diesen Her- gang verständlich zu machen. Die nicht willkürlich und beliebig veränderlichen und in diesem Sinne absoluten Grenzen unseres Anschauungs- und Wahrneh- mungsfeldes und die für uns absolute Größe jedes im Anschauungs- felde liegenden Gegenstandes ist sicherlich bedingt durch un- seren Organismus, also durch den Aufbau unseres Körpers und durch die Prozesse, die sich in ihm abspielen. Diese sind als Na- turprozesse bedingt durch ihre räumlichen, absoluten Abmes- sungen (vgl. § 3), und wir haben also in der Begrenztheit unserer Wahrnehmungen und anschaulichen Vorstellungen das Walten einer Natur vor uns, die keine geometrisch ähnliche Vergröße- rung oder Verkleinerung verträgt, ohne sich selbst in ihrem Ab- lauf zu ändern. § 5. Endliche Anzahl der näherungsweise definierbaren Anschauungsgrößen. Erörtern wir nunmehr mehrere Gegenstände eines Wahrneh- mungsfeldes, z. B. Strecken, die wir an einem Naturgegenstand unterscheiden. Jede Strecke an einem wahrgenommenen Gegen- stand, z. B. die Länge eines Balkens, hat eine anschaulich vor- stellbare Größe und unterscheidet sich der Größe nach von an- deren Strecken. Sämtliche zwischen unseren Anschauungsgren- zen (vgl. § 4) eingeschlossenen Strecken bilden eine Skala, wenn