Wahrnehmung. Absolute Abmessungen JI aber unzweifelhaft für sich, daß diejenigen Menschen ihm huldi- gen, die sich im praktischen Leben betätigen; auch der theo- retische Gegner des naiven Realismus pflegt sogleich zum naiv. realistischen Standpunkt des Handwerkers zurückzukehren, wenn er praktisch handelt. Um ein drastisches Beispiel anzu- führen: der Philosophieprofessor, der uns soeben eine welt- entrückte, idealistische Lehre vorgetragen hat, ist meistens doch nicht so weit konsequent, um sich nachher am Biertisch nicht auf den naiv-realistischen Boden zu stellen. Die Bedeutung des naiven Realismus dürfte darum unzweifelhaft sein, er ist nach- gerade hinreichend verspottet worden. Der theoretische Sinn des naiven Realismus liegt darin, daß er Hypothesen, die über das Wirkliche der zweiten Wahrnehmungsstufe hinausgehen, ein- führt. Man kann sich die beiden Fragen stellen, ob solche Hypo- thesen nötig und ob sie wahr sind. Aber der naive Realismus muß nicht deshalb irrig sein, weil sich kein Beweis für die Rich- tigkeit seiner Behauptungen erbringen läßt. § 3. Abhängigkeit physikalischer Eigenschaften der Körper von der Größe der räumlichen Abmessungen. Wir wollen nunmehr etwas Wirkliches A im Raume betrachten und ferner dazu ein zweites Wirkliches B, das die Eigentümlich- keit besitzt, dem A geometrisch ähnlich zu sein. Betrachten wir z. B., wie Galilei¹, eine große Maschine A, die in allen Teilen. einer kleinen Maschine B geometrisch ähnlich gebaut ist; das Material, aus dem die beiden Maschinen bestehen, sei dasselbe. Dann wird die Festigkeit der großen Maschine keineswegs ebenso groß wie die der kleinen sein, sondern geringer, und es kann ge- radezu kommen, daß die kleine Maschine vorzüglich arbeitet, während die große beim geringsten Anlaß zusammenbricht. Dies weiß jeder Techniker. Ein anderes, ebenfalls von Galilei be- handeltes Beispiel dieser Art ist ein an einem Ende in die Wand eingemauerter Balken, der horizontal frei aus der Wand heraus- - ¹ Unterredungen und Demonstrationen, 1638; Ostwalds Klassiker Nr. 11, S. 4. ff.