8 A. Allgemeines sind. Das Denken schafft Ordnung in dem Chaos von direkten und erinnerten Wahrnehmungen, trifft eine bestimmte Wahl un- ter den Gruppierungsmöglichkeiten und behauptet, eine ganz bestimmte Ordnung sei die wirkliche, sei dieselbe wie die Ord- nung der Natur. Das Denken erachtet ferner noch solches als wirklich, was nicht wahrgenommen wird. Auch in der Gegenwart nicht Wahrgenom- menes wird oft als Wirkliches der Gegenwart gesetzt:,,Der Tisch hinter mir' z. B. ist auch wirklich, ob ich ihn schon 'jetzt' nicht sehe; das Kleid im geschlossenen Schrank' ist wirklich", usw. Driesch nennt diese Erweiterung des Wirklichen die ,,zweite Stufe des Wirklichen“; durch diese wird das Wirkliche eigentlich erst vom Wahrgenommenen verschieden. Wennschon etwas Wirkliches der zweiten Stufe noch immer Wirkliches sein mag, so ist es dieses doch keineswegs mehr so sicher und unzweifelhaft wie das Wirkliche der ersten Stufe. Zu- gegeben z. B., daß der Tisch, den ich 'hinter mir' vor 20 Minuten sah, damals wirklich war; was verbürgt mir zu glauben, daß er es noch ist? Er kann, seitdem ich ihn nicht sah, zu Asche ver- brannt worden sein. Wenn ich also trotzdem behaupte, daß et- was, was ich nicht wahrnehme (wie der Tisch 'hinter mir'), wirk- lich sei, so mache ich damit eine Annahme, eine Hypothese. Die Richtigkeit derselben läßt sich nur annehmen, aber nicht be- weisen, auch dann nicht, wenn ich mich durch direkte Kontrolle zu überzeugen suche; denn wenn ich z. B. mich umdrehe und feststelle, daß der Tisch hinter mir wirklich ist, so besteht darin noch kein Beweis, daß dieser Tisch vorher, als ich ihn nicht sah, wirklich war; der Tisch, den ich jetzt sehe, kann ein anderer sein als der frühere und z. B. eben erst dorthin gestellt worden sein. Andererseits aber kann meine Hypothese auch zutreffen, und es dürfte im allgemeinen unmöglich sein, zu beweisen, daß der Tisch, an dem ich schreibe, nicht derselbe ist wie der, an dem ich gestern saß. Es ist also ersichtlich: eine Tatsache, etwas Wirkliches in der Natur, läßt sich nur beweisen durch den Rückgang auf die erste