4 A. Allgemeines in dem sich die drei Holzstangen befinden, die Eigenschaften des euklidischen Raumes oder die eines nichteuklidischen Raumes hat; die Naturwissenschaft aber kann diese Frage nur eindeutig mit einem voraussetzungslosen Ja oder Nein be- antworten: entweder es ist so, oder es ist nicht so. Diese Ein- deutigkeit des Urteils über irgendwelche Wahrheit in der Natur hat zum Grund den, daß die wirkliche Natur selbst eindeutig ist. Die Aufgabe der Naturwissenschaften kann kurz so ausgedrückt werden: dem Menschen die Wahrheit über das Wirkliche in der Natur zu vermitteln. Daher ist die Wahrheit das Höchste für den Naturforscher, und das Streben nach ihr sein Hauptziel. Ein Na- turforscher, der die Wahrheit nicht sucht, wird sie auch nicht fin- den und wird kein Glück mit seiner Arbeit haben. Wer auf das leise Unbehagen nicht reagiert, das sich z. B. bei der Mißdeutung einer Naturbeobachtung - zuliebe irgendeines Sonderinter- esses einstellt, der wird große Mühe haben, bleibende und si- chere Ergebnisse zu ernten. Er wird vielleicht geistreiches Ma- terial, von Wissen und Geschicklichkeit zeugend, zutage för- dern, auch Augenblickserfolge erzielen, aber der Tag kommt doch, an dem aller Flitter in ein Nichts zerrinnt, falls das Korn Wahr- heit fehlte. Die Geschichte der Naturwissenschaften ist reich an solchen, wegen ihrer Geistreichigkeit bewunderten, nachher als falsch erkannten und vergessenen Verkennungen der Wahrheit. Eine wesentliche Voraussetzung, die ein Naturforscher zu erfüllen hat, ist also die moralische: er muß wahrhaft sein und nach Wahrheit streben. Ein Naturforscher ohne den Trieb, das Wahre zu ergründen, wird zu einem Zauberkünstler oder Spieler, und eine Naturwissenschaft ohne den Begriff des Wahren und Wirklichen versänke in einem Meer von Möglichkeiten. Es ist keineswegs immer leicht, ein wahrhafter Naturforscher zu sein. Voreingenommenheit für alte, durch Gewohnheit lieb- gewordene Gedankengänge, persönliche Zwangsverhältnisse, Au- toritäten, alle diese können Feinde der Wahrheit und so der Na- turwissenschaft sein. Die Verhältnisse des Lebens sind der Wahr- heit nicht immer günstig und können dazu zwingen, sie zu schmä-