2 A. Allgemeines Als dann mehrere Jahrzehnte später der Physiker und Philo- soph Mach den Versuch unternahm, die Naturwissenschaften philosophisch und psychologisch zu vertiefen, waren noch be- trächtliche Widerstände in den Gehirnen der Naturforscher zu überwinden, und Mach erlebte gerade bei engeren Fachgenossen eine verständnislose, ja feindselige Beurteilung. Inzwischen ist dies anders geworden, die philosophische Richtung in den Natur- wissenschaften ist heute mächtig erstarkt. Dem Modegeschmack folgend, ergeben sich sogar solche Autoren, die allen ans Philoso- phische streifenden Betrachtungen ablehnend gegenüberstanden, prinzipiellen und allgemeinen, dem engeren Bereich ihrer Wissen- schaft fremden Studien. Diese neueste Strömung ist mittlerweile wieder auf dem Wege, durch ihre Extravaganzen die naturphilo- sophischen Bestrebungen abermals in Verruf zu bringen. Wenn beispielsweise von Vertretern exakter Wissenschaft verkündet wird, daß die,,Zeit eine Funktion der Lichtgeschwindigkeit sei", daß man,,in die Vergangenheit telegraphieren könne", so fragt man sich, ob auf die neue naturphilosophische Erhebung wieder ein tiefer Fall folgen soll. Es fehlt nicht viel und wir stehen wieder bei Hegel, der die Keplerschen Gesetze der Planeten aus begrifflichen Analogien und logischen Erwägungen abzuleiten suchte.1 Prinzipielle und erkenntnistheoretische Erörterungen werden es am wirksamsten dann zu Ansehen bei den Naturforschern brin- gen, wenn sie imstande sind, neue praktisch verwertbare Winke zu geben. Die Lehre vom Selbstzweck aller Wissenschaft ist zwar eine schöne, ideale Sache, und man soll diesen Selbstzweck keinem anderen, noch so edlen Zweck unterordnen; darüber aber besteht wohl kein Zweifel, daß die an die Praxis, das Handwerk sich an- lehnenden Naturwissenschaften besonders deshalb gegenüber den anderen, älteren Disziplinen sich durchsetzen konnten, weil ihre praktische und technische Anwendung nachgerade überwältigend wurde. So wird auch nichts den Wert der erkenntnistheoreti- 1 ¹ Hegel, Encyclopädie der philosophischen Wissenschaften, Heidelberg 1827, S. 257-258.