232 IV. Affine Geometrie. Aus AB + BX = AC folgt AX = AC, also eindeutig X = C. Die Anordnung ist offenbar linear, denn man kann diejenigen Halbgeraden A, B, C,... eines Punktes O, welche in einer be- stimmten Halbebene von A liegen, also auch die Winkel AB, AC, eindeutig den Punkten einer sie schneidenden Geraden zuordnen. Demnach ist die Anordnung der Winkel dieselbe, wie die der Punkte einer Geraden, und sie bleibt bei Addition eines Winkels, d. h. bei einer Affinität ungeändert. 173. Über imaginäre Grenzelemente sei nur kurz Folgendes be- merkt. Drei beliebige Punkte A, B, C des Grenzovals definieren einen imaginären Punkt desselben. Sind die Seiten des Dreiecks ABC die in der Ebene {ABC} liegenden Grenzgeraden der Punkte A, B, C, und ist P = ([BC][B₁C₁]), Q=([CA][C₁A₁]), R = ([AB] [A₁ B₁]), so definieren die drei in einer Geraden liegenden Punkte PQR den imaginären Punkt ABC in der früher (s. III 57 S. 165) für ima- ginäre Punkte gegebenen Darstellung. Ebenso definieren drei be- liebige Grenzebenen eine imaginäre Grenzebene, drei beliebige Grenz- gerade einer Ebene eine imaginäre Grenzgerade derselben Ebene, drei beliebige Grenzgerade eines Punktes eine imaginäre Grenzgerade des- selben Punktes, drei beliebige Grenzgerade, die sich paarweis nicht schneiden, eine „hochimaginäre" (s. S. 165) Grenzgerade. Auf Grund dieser Definitionen beweist man leicht die Sätze: Auf jeder Nicht- Grenzgeraden liegen zwei reelle oder imaginäre Grenzpunkte; durch jede Nicht-Grenzgerade gehen zwei reelle oder imaginäre Grenzebenen; in jedem Büschel gibt es zwei reelle oder imaginäre Grenzgerade; durch jeden Grenzpunkt gehen zwei imaginäre Grenzgerade, die ganz auf dem Grenzoval liegen. 174. Im vorstehenden ist die Nicht-Euklidische Geometrie auf Grund der Verknüpfungs- und Anordnungssätze, der Stetigkeit und der Existenz der Affinitäten, aber ohne Voraussetzung der Meßbar- keit begründet worden. Trotzdem war es schon hier im Gegensatz zur Euklidischen Geometrie möglich, die metrischen Begriffe Strecke (151) und Winkel (161) einzuführen, und ihre Haupteigenschaften 153, 159, 162, 164, 171 ohne Einführung weiterer Grundsätze ab- zuleiten. In der Euklidischen Geometrie war dies unmöglich, da dort z. B. jedes Paar verschiedener Punkte jedem andern in einer ge- eigneten Affinität entspricht, also gleich wäre.