220 IV. Affine Geometrie. deren keine eine Grenzgerade ist, paarweis schneiden, findet dasselbe für die sechs Geraden [AB], [AC], [AD], [BC], [BD], [CD] statt. Nun gehen z. B. [AB], [AC], [BC] durch keinen Punkt, also müssen [AD], [BD], [CD] in deren Ebene {ABC} liegen; in dieser liegen also die Pole A, B, C, D der Ebenen Α, Β, Γ, Δ und die Polargeraden [AB] usw. der Geraden [AB] usw. 146. Satz: Die Polarebenen der Punkte Peiner Grenzgeraden [PI] schneiden sich in einer anderen Grenzgeraden [OI] des Punktes I; die Pole der Ebenen der Grenzgeraden [PI] liegen auf derselben Grenzgeraden [OI] des Punktes I. Beweis: Es sei die Polarebene des Punktes P≠ I der Grenz- geraden [PI]; dieselbe geht durch I und schneide die Grenzebene von I in der Grenzgeraden [OI]. Ω sei die Polarebene von 0; die- selbe geht durch P und I, weil O in den Polarebenen von P und I liegt. Jeder Punkt von [PI] liegt in den Polarebenen von I und O, also geht seine Polarebene durch [OI]; jede Ebene von [PI] geht durch P und I, hat also ihren Pol auf den Polarebenen von P und I, also auf [OI]. Wäre [OI] = [PI], ginge also I durch P, so wäre Pein Grenzpunkt, also [PI] eigentlich (114), gegen die An- nahme. 147. Definition: Der Schnittpunkt aller Polarebenen der Punkte einer uneigentlichen, Nicht-Grenzebene heißt der Pol dieser Ebene. Die Verbindungsebene aller Pole der Ebenen eines eigentlichen Punktes heißt die Polarebene dieses Punktes. Die Schnittgerade aller Polar- ebenen der Punkte einer Grenzgeraden oder die Verbindungsgerade aller Pole der Ebenen einer Grenzgeraden heißt ihre polare Grenz- gerade. 148. Satz: Den Punkten, Geraden, Ebenen sind eindeutig ihre Polaren, Polargeraden, Polarebenen so zugeordnet, daß koinzidieren- den Elementen koinzidierende Elemente entsprechen. Beweis ist in 136 bis 146 enthalten. 149. Satz: Die im vorstehenden entwickelte Polarentheorie kann für die Ebene allein entwickelt werden, wenn und nur wenn in ihr der Desarguessche Satz gilt. Beweis: Gilt der Desarguessche Satz, so ist die ebene Geometrie Schnitt einer räumlichen, also die ebene Polarentheorie als Schnitt der dann zu entwickelnden räumlichen abzuleiten. Gilt der Desar- guessche Satz nicht, so gilt der ebene Schnitt des Satzes 148 nicht. Man definiere nämlich als eigentliche Punkte der Nicht-Desarguesschen