162 Vierzehntes Kapitel. Übergangs-Ballistik. nähernd auch C und h, während A sich etwa verfünffacht. Die Frage, ob größere Mündungsgeschwindigkeiten geringere Achsendrehung (Wille, Waffenlehre, S. 822) oder ob sie stärkeren Enddrall (Heydenreich, Die Lehre vom Schuß, S. 98) erfordern, ist so zu beantworten. Größeres v ergibt auch größeres W, also ist nach (11) auch größere Drehgeschwindig- keit r erforderlich, wenn man dieselbe Reservestabilität wünscht. Und für den Enddrall folgt aus (13), daß die untere Grenze für ihn wächst, abnimmt oder gleichbleibt, je nachdem ob W stärker, schwächer oder ebenso wächst, wie v2; da das in verschiedenen Intervallen verschieden ist (s. S. 14), kann man keine allgemeine Regel aufstellen. In dem Beispiel bei Heydenreich ist v einmal gleich 180, das andere Mal 500; die zugehörigen Werte von W liefert die Kruppsche Tabelle proportional 0,044 und 0,983. Da nun 0,983/5002 0,0000039... etwa dreimal so groß ist, wie 0,044/1802 = 0,0000013..., so ist für denselben Enddrall die Stabilität für v = 500 viel geringer, wie für v = 180; entsprechend den Heydenreichschen Beob- achtungen. = = § 69. Drall kleinsten Druckes. Den Drall kleinsten, also konstanten Druckes zwischen Führungs- ringen und Zugflanken suchen Terquem*) und Kaiser **). Ein solcher Drall beansprucht langsam durchlaufene Stellen mehr als schnell durch- laufene. Der Druck ist proportional dem Zuwachs an Drehwucht, also pro- portional mv²q² tg²D, wenn do das Bogenelement des Führungs- d do = ringes ist. Wegen do tg Ddx wird also auch vdv tg D dx = dv tg D dt d. i. die Umfangsbeschleunigung konstant ***), also gleich der mittleren Umfangsbeschleunigung v tg D t Aus v tg D t = konst. ergibt sich, wenn das Hauptproblem der inneren Ballistik gelöst ist, durch Einsetzen von v und t als Funktionen von x auch tg D als Funktion von x, also die Drallkurve. Statt dieses einfachen Weges integrierte Terquem die Glei- chung: durch d½ (v tg D) 2 ασ = C (v tg D)² = 2 Co *) Revue d'artillerie, tome 13, S. 217. **) Konstruktion der gezogenen Geschützrohre, Wien 1892, S. 447. ***) Einen Drall konstanter Drehbeschleunigung hatte schon v. Scheve vorge- schlagen: Arch. f. Artill.- und Ing.-Off. 93 (1886) S. 3.