§ 68. Drall kleinster Zugbeanspruchung. 161 Da nun beim üblichen parabolischen Drall dtg D/dx konstant ist (§ 67), während T und D nur wachsen, P bis zu seinem Maximum wächst, so ergibt sich, daß bei parabolischem Drall die Züge von Anfang an, und jedenfalls bis zur Stelle des Druckmaximums, in stark wachsendem Maße beansprucht werden. Das beweist die Unzweckmäßigkeit dieses Dralls. Dasselbe gilt also auch für die beiden anderen geometrischen Drallgesetze. Dagegen erfüllt der Drall kleinster Zugbeanspruchung auch die Forderung in be- zug auf Geschoßbeanspruchung. Letztere ist nämlich gleich der Ge- schwindigkeit des Anwachsens der Drehwucht, also zur Zeit t gleich dTtg2D/dt, also wegen (3) gleich cv sec D/q2, erreicht also am Ende den. größten Wert. Aber der erfahrungsmäßige Enddrall liefert keine Rohr- platzer. Dieser Drall hat also noch den weiteren Vorteil, daß die am Ende liegende größte Drehbeanspruchung von der nahe am Anfang liegen- den größten Druckbeanspruchung des Geschosses soweit als möglich getrennt ist. Zur Bestimmung des Anfangsdrallwinkels D。 erhält man aus (3) und (9) wegen To=0 die für sec Do quadratische Gleichung 0 с Potg² Do= sec Do, q2 (10) in der Po der Anfangswert der Triebkraft, d. h. des durch den Quer- schnitt dividierten Gasdrucks ist. = Für den Enddrall liefert die Rücksicht auf die Drehbeanspruchung des Geschosses eine obere Grenze. Eine untere Grenze erhält man aus der Forderung der Stabilität. Sind A B, C die Trägheitsmomente, r die Winkelgeschwindigkeit, S der Schwerpunkt, W der Luftwiderstand, H dessen Angriffspunkt auf der Achse, SH=h, so heißt die Stabilitäts- bedingung (s. § 54) 1 C2 4 A r2>h. W. (11) Die links stehende, fast konstante Größe ist als das Maß der Stabilität anzusehen. Ihr Überschuß über die rechts stehende Größe als die Re- servestabilität. Die rechts stehende Größe als die untere Stabilitäts- grenze. Mit Rücksicht auf die Beziehung tg D r R V (12) ergibt sich daraus eine untere Grenze für den Enddrall. Aus (11) und (12) folgt nämlich tg² D> 4 R2h AW C2v2 (13) Aus (11) oder (13) lassen sich folgende Schlüsse ziehen: Lange Geschosse erfordern stärkeren Enddrall, um dieselbe Reservestabilität zu haben. Denn verdoppelt man z. B. die Geschoßlänge, so verdoppeln sich an- Vahlen, Ballistik. 11