16 Zweites Kapitel. Die wirkenden Kräfte. Fall. Schon die Annahme des Newtonschen Gesetzes, daß W demselben proportional sei, ist höchstens annähernd richtig. Hier tritt vielmehr folgende Schwierigkeit ein: Der Widerstand ist nicht addierbar, d. h. sind W und W' die Widerstände zweier ebener Flächenstücke f und f', so ist nicht WW' der Widerstand eines Flächenstückes f+f', das durch Verbindung der beiden zu einem entsteht. Infolgedessen ist z. B. der Widerstand eines Flächenstückes f verschieden, je nachdem, ob es quadratisch oder rechteckig oder kreisförmig ist. Man hilft sich durch die Hinzufügung eines,,Formfaktors". Darin liegt die Annahme, daß der Widerstand aus zwei Faktoren besteht, von denen der eine nur von dem Flächenstück, der andere nur von der Geschwindigkeit abhängt. Auch diese Annahme ist nur näherungsweise richtig. Betrachten wir jetzt ein ebenes Flächenstück f, das sich nicht senk- recht, sondern schräg zu seiner Ebene bewegt. Der spitze Neigungswinkel seiner Normalen gegen die Fortbewegungsrichtung sei w. Man nimmt an, daß sich W um einen von abhängigen Faktor ändert F (coso); aber für diese Funktion F werden viele verschiedene Formen angegeben, z. B. (1 + 4π) · cos 1+1π.cos@ cosa, cos²w, COS1,618 • usw. · Diese verschiedenen Formen stimmen darin überein, daß F (0) =0 und natürlich F(1) = 1 ist. F(0) 0 würde bedeuten, daß ein in seiner Ebene fortbewegtes Flächenstück Widerstand erleidet. Ein solcher Widerstand wäre kein Form-, sondern Reibungswiderstand; von dem sollte aber ab- gesehen werden. Wir nehmen im folgenden F (cosa) nicht irgendwie speziell an, die Annahme F (0) = 0 behalten wir natürlich bei. Der von dem Flächenstück f abhängige Faktor des Widerstandes f F (cosw) heiße die Widerstandsfläche. Der andere Faktor des Widerstandes hat jedenfalls die Dimension Kraft/Fläche, also die Dimension eines Druckes und heiße deshalb Widerstandsdruck. Auch der Widerstand eines beliebigen Körpers läßt sich in Hinblick auf seine Dimension in die Faktoren Widerstandsdruck und Widerstandsfläche zerlegen. Die Wider- standstabelle liefert aber nur den Widerstand als Ganzes, und zwar für ein bestimmtes sogenanntes ,,Normal"geschoß. Man nimmt an, daß man aus dieser die Tabelle für ein anderes Geschoß erhält durch Multipli- kation mit einem geeigneten Faktor. Diese Annahme ist nur annähernd richtig, für nicht zu große Geschwindigkeitsintervalle und für Geschosse, die nach Form und Größe von dem Normalgeschoß nicht zu sehr abweichen. Ein solcher von der Geschwindigkeit unabhängiger Faktor ist als Quo- tient der Widerstandsflächen des gegebenen und des Normalgeschosses anzusehen. Um nun diesen Faktor wenigstens annähernd vorauszube- rechnen, berechnet man die Widerstandsfläche eines Geschosses, indem man die Widerstandsflächen der Oberflächenelemente summiert.