Weltsystem (Fragment). 173 es Laplace gemerkt hätte, im offenen Widerspruch mit dem ersten Newtonschen Bewegungsgesetz (oder mit dem Galileischen Trägheitsprinzip), wonach ein sich selbst überlassener (d. i. ein von außen wirkenden Kräften nicht beeinflußter) Körper, als Ganzes betrachtet, nur eine geradlinige, gleichförmige Bewegung haben kann. Der Laplace sche Urnebel konnte im Sinne des Newtonschen Trägheitsprinzipes, wenn er als Ganzes betrachtet überhaupt eine Bewegung besaß, nur in gerader Linie und mit gleichförmiger Geschwindigkeit durch den Weltraum streichen. Indem aber La- place seinem Urnebel eine ursprüngliche Rotation zuschreibt, stellt er im Grunde genommen ein dem Newtonschen entgegen- gesetztes Trägheitsprinzip auf, freilich ohne dies eigentlich beab- sichtigt zu haben. Wir werden trotzdem dies neue Träg- heitsprinzip, dem großen Mathematiker zu Ehre, als das La- placesche bezeichnen und zur Abwechslung auch das Prinzip der Zirkelträgheit nennen, wohingegen das Galilei-New- tonsche Trägheitsgesetz kurz das lineare Trägheitsprinzip heißen mag. Eigentümlicherweise scheint Laplace die Rotation des Ur- nebels mit einer gewissen Scheu betrachtet zu haben, denn er hütet sich, über dieselbe auch nur ein einziges Wort zu verlieren, und ähnlich verhalten sich auch alle Anhänger der,,Kosmogonie". Es scheint ihnen selbstverständlich zu sein, daß der Urnebel eine Rotation haben mußte, aber sie gehen trotzdem mit einem selt- samen Schweigen über ihre Annahme hinweg, ja, sie vermeiden es auch, die Rotation des Urnebels als eine ursprüngliche Be- wegung zu bezeichnen. Es erleidet jedoch keinen Zweifel, daß sie diese Rotation nicht einem von außen her stammenden von irgend- einem Fremdkörper herrührenden, unbegreiflichen Drehimpuls zuschreiben, sondern als einen ursprünglichen Besitz des Urnebels auffassen. Wahrscheinlich sträuben sie sich aber, den Begriff einer,,ursprünglichen Bewegung" in die Mechanik einzuführen, weil ein solcher Ausdruck zu unliebsamen Erörterungen führen könnte. Unter einer ursprünglichen Bewegung verstehe ich eine solche, deren Anfang und Ende sich in das große Problem des Anfangs und des Endes der ganzen Erscheinungswelt verliert. Nimmt aber jemand an dem Ausdruck,,ursprüngliche Bewegung" irgendeinen Anstoß, so kann er ihn durch ,,perpetuelle Bewe- gung" ersetzen, weil er genau die gleichen Dienste leisten kann. wie der erstere und weil ein jeder Physiker mit dem Ausdruck ,,perpetuum mobile" sehr wohl vertraut ist. Es gibt in der Natur perpetuelle Bewegungen, d. h. solche, die so alt sind wie der Welt- prozeß überhaupt, und die so lange dauern werden, als dieser Welt- prozeß sich weiter fristen mag. Ebendeshalb fragt man in der