166 Weltsystem (Fragment). zum Wesen eines jeden (eigentlichen) Weltkörpers gehört, eine Eigendrehung zu besitzen. Aber gerade dieses kosmische Prinzip läßt Newton beiseite liegen und versucht es gar nicht, aus seinem Gravitationsgesetz abzuleiten, und zwar aus dem Grunde nicht, weil ein solcher Versuch völlig aussichtslos wäre. Es gibt nämlich nirgends in der Welt eine derartige Schwerkraft, die einen Körper zwingen könnte, sich um sich selbst (um eine Achse) zu drehen. Wenn z. B. ein Körper rein infolge der Schwere zur Erde fällt, so kann er im Fallen gar keine Rotation um eine Achse vollziehen. Auch die reine Wuchtbewegung schließt durchaus nicht die Eigen- drehung des geworfenen Körpers in sich ein. Und das gleiche gilt für die Umlaufbewegungen der Planeten und Trabanten. Faßt man diese Umläufe im Sinne Newtons als aus der allgemeinen Schwere folgend auf, so sind sie rein fortschreitende Bewegungen, die durchaus nicht eine Eigendrehung der betreffenden Weltkörper in sich einschließen. Wollte man ein Sonnensystem bloß auf Grundlage der Newtonschen Gravitationskraft mechanisch kon- struieren, so könnten in einem solchen System im besten Falle die Planeten Umläufe um die Sonne (und die Monde Umläufe um die Planeten) vollziehen, aber eine Eigendrehung besäße keiner dieser Weltkörper. Gerade diese Eigendrehung gehört aber zum Wesen eines Weltkörpers. Wir gelangen also schon in diesen einleitenden Betrachtungen zu der Auffassung, daß es der Wissenschaft bislang nicht gelungen ist, eine kosmische oder Himmelsmechanik zu schaffen, da die allgemeinste kosmische Bewegung, die Achsen- drehung der Weltkörper, die wir uns durch wohlbekannte Kreisel- drehung versinnbildlichen können, nicht aus der Gravitation ab- geleitet werden kann. Die Newtonsche Mechanik schwingt sich nur zu den planetaren Bewegungen auf, kann aber auch von diesen nur eine unzureichende Theorie liefern, weil die Eigendrehung der Sonne und der Planeten nicht aus der allgemeinen Schwere er- klärbar ist. Man liest in populären, ja auch in wissenschaftlichen Werken derartige Exklamationen wie etwa die folgende:,,Newtons große Tat war, daß er bewies, die Bewegungen der Himmelskörper seien durch eine allgemeine Kraft bestimmt, von der die Kraft, die den Apfel zur Erde fallen läßt, nur eine Erscheinungsform ist, und daß er auf diese Weise den himmlischen Bewegungen den Schleier des Geheimnisvollen raubte, in den sie früher gehüllt waren." Es wird hier von den himmlischen Bewegungen ganz allgemein gesprochen und dadurch der falsche Schein erweckt, als ob die Gravitationshypothese alle himmlischen Bewegungen umfassen und einheitlich erklären könnte. Wer aber auch nur in die ersten Elemente der Physik eingeweiht ist, weiß es sehr wohl, daß gerade die allgemeinste himmlische Bewegung, die Eigen- drehung der Weltkörper, aus der allgemeinen Schwere nicht