128 Galilei und das Übertragungsprinzip. gesagt zu werden, daß die fortgesetzte Umsetzung des ätherischen Impulses und der materiellen Bewegung ineinander nichts anderest als die fortgesetzte Wandlung der potentiellen Geschwindigkeit bedeutet. Der Hauptmangel unserer heutigen Mechanik ist wohl. vor allem darin zu suchen, daß diese zwei Geschwindigkeits- begriffe nicht voneinander getrennt wurden. Erst durch diese Trennung wird die ,,Erhaltung der Geschwindigkeit" zu einem begreiflichen Gedanken, natürlich nur unter der Bedingung, daß die Bewegung ein Doppelprozeß ist, der aus der Wechselwirkung von Äther und Materie hervorgeht, und daß die potentielle und aktuelle Geschwindigkeit einander grenzenlos immer wieder repro- duzieren. Aber man sieht auch sofort ein, daß ein solcher Vorgang von höchster Einfachheit für das Verständnis wirklicher Bewegun- gen wohl unentbehrlich sein kann, aber in der Wirklichkeit selbst niemals als ein gesonderter realer Vorgang auftreten kann, da es unmöglich ist, daß sich in einer Bewegung bloß ein einziger ätheri- scher Impuls betätigen könnte. Der Weltäther ist ein grenzenloses Meer von Impulsen, oder wenn es besser gefällt: ein Kraftozean. Wohin also auch immer ein bewegter Körper gelangen mag, ist er einem neuen Kampfe von Impulsen und Gegenimpulsen aus- gesetzt, die seine Bewegung zu beschleunigen bzw. zu verlang- samen suchen. Darum ist alle wirkliche Bewegung notwendig ein ungleichförmiges Geschehen, während gleichförmige Vorgänge nur als statische (oder poten- tielle) Ereignisse im Äther möglich sind. Die Mechanik ist zwar eine Lehre von den ungleichförmigen Geschehnissen, aber sie kann nur auf Grundlage einer Lehre von den gleichförmigen Geschehnissen konsequent ausgebaut werden. Diesen großen Ge- danken hat Galilei mit einer so erstaunlichen Intuition erfaßt, als ob er schon mit den Begriffen der potentiellen und aktuellen Ge- schwindigkeit und ihrer Umsetzung ineinander im klaren gewesen wäre. Jedenfalls bildet das richtig verstandene Trägheitsprinzip (genauer: das Übertragungsprinzip) die feste Grundlage nicht nur der Mechanik, sondern auch der Ätherphysik. So wie der Geschwin- digkeitsbegriff müssen nunmehr auch die Begriffe der Beschleuni- gung, Masse, Schwere, Energie usw. umgearbeitet werden. Das macht aber vor allem den Umbau der Newtonschen Mechanik er- forderlich. Also zurück zu Newton!