Galilei und das Übertragungsprinzip. 127 Bewegung mit der statischen Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes in solcher Weise additiv zu verbinden, wie man zwei Be- wegungen im Sinne des Prinzipes des Parallelogramms miteinander zusammensetzt, was aber wegen des disparaten Charakters von dynamischer und statischer Geschwindigkeit durchaus unzulässig ist. Aus einer derartigen,,Zusammensetzung" entsprangen z. B. all die Enttäuschungen, die sich an den berühmten Michelson- Versuch knüpften, wie nicht minder die sogenannten,,Wider- sprüche" der Ätherlehre, welche Lenard in seiner bedeutsamen Schrift,,Über Äther und Uräther" durch eine interessante Zwei- teilung des Åtherbegriffs zu heben versucht. Eine Besprechung dieser Schrift wird uns die erwünschte Gelegenheit darbieten, auf die angeblichen Widersprüche der Ätherlehre näher einzu- gehen. Hier handelt es sich uns bloß darum, zu zeigen, daß in dem galileischen Trägheitsprinzip eine tiefgehende Ahnung jener zwei Kategorien von Vorgängen enthalten lag, die wir als statisches und dynamisches Geschehen prinzipiell voneinander scheiden. Mit Hilfe dieser neuen Begriffe können wir nunmehr den paradoxen Cha- rakter des Trägheitsprinzips überwinden und es in einer durchaus rationellen Form darstellen. Alle Bewegung, sagten wir, muß in kausaler (oder genetischer) Auffassung aus der Wechselwirkung von Äther und Materie entstanden gedacht werden, d. h. wir wer- den jeden Bewegungsvorgang als einen ätherisch-mate- riellen Doppelprozeß auffassen. Ätherische Impulse setzen sich an der Materie in aktuelle Bewegung um, und diese letztere wandelt sich während ihres Verlaufs in ätherische Impulse zurück, welche wieder im nächsten Augenblick als aktuelle Bewegung zum Vorschein kommen usw. Es ist zweckmäßig, sich zunächst vor- zustellen, daß ein materieller Punkt bloß von einem einzigen ätherischen Impuls i, ergriffen werde, denn dann gelangt man zum Bilde einer gleichförmigen oder Trägheitsbewegung. Der Impuls i₁ wandelt sich an dem besagten materiellen Punkt in die kleine Be- wegung b₁ um, diese reproduziert während ihres Verlaufs einen ebenso großen Impuls, wie derjenige war, aus dem sie entstand, und nun setzt sich der Prozeß grenzenlos weiter fort. Durch den Impuls wird immer die gleiche aktuelle Bewegung und durch die aktuelle Bewegung immer der gleich große Impuls reproduziert. Dadurch gewinnt der Gedanke der gleichförmigen Bewe- gung einen rationellen Charakter. Die Erhaltung einer fixen Geschwindigkeit, die doch das Wesen der Trägheitsbewegung ausmacht, hört auf, ein Wunder zu sein, und wird zu einem all- gemein verständlichen Gedanken. Freilich muß man aber zwei Arten von Geschwindigkeit, die potentielle im Äther und die ak- tuelle an der Materie unterscheiden. Denn es braucht wohl kaum