126 Galilei und das Übertragungsprinzip. nichts Bewegungsartiges sein sollen, ja in einem polaren Gegensatz zu jedweder Bewegung stehen müssen? Eine exakte Antwort auf diese schwierige Frage können wir erst dann liefern, wenn wir die Arten der ätherischen Impulse und ihre naturnotwendige Zu- sammengehörigkeit mit den Bewegungsformen der Materie dar- gelegt haben werden. Vorläufig muß es genügen, wenn wir ein bloß schematisches, abgerissenes Bild einer einzigen Art von Fort- pflanzung ätherischer Impulse entwerfen. Zu diesem Zwecke ist es ratsam, positive und negative Impulse zu unterscheiden, deren Bedeutung etwa durch die Begriffe von Druck und Gegendruck, Zug und Gegenzug sowie durch positive und negative elektrische Zustände usw. nahegelegt wird. Denkt man sich nun, daß ein positiver ätherischer Impuls in seiner unmittelbaren Nachbar- schaft einen negativen Impuls, dieser wieder einen positiven, dieser einen negativen usw. hervorruft, so hat man eine zeitliche Reihe von momentanen Impulsen, von denen ein jeder verklungen ist, während der nächste auftritt, die also mit einer gewissen Geschwin- digkeit aufeinanderfolgen, ohne daß auch nur einer derselben von der Stelle, an der er entstanden ist, gewichen wäre. Und doch besitzt die Reihe solcher Impulse eine Geschwindigkeit in der zeitlichen Aufeinanderfolge, ganz so, als ob der erste Impuls sich ,,fortbewegt" und der Reihe nach die Stelle der übrigen Impulse eingenommen hätte, während doch keiner seinen Ort verließ, son- dern ein jeder nur den unmittelbaren Nachbarimpuls ins Dasein rief, gleichsam als Stellvertreter seiner eigenen verklungenen Existenz. Wir werden derartige ätherische Vorgänge als statische Ereignisse im Gegensatz zu den dynamischen Ereignissen (den Bewegungsvorgängen der Materie) bezeichnen. Ohne uns diesmal auf irgendwelche Details einzulassen, dürfen wir die Fort- pflanzung des Lichtes als ein derartiges statisches Ereignis be- trachten, in welchem sich ätherische Impulse mit der Geschwindig- keit von 300000 Kilometer per Sekunde reproduzieren. Man kenn- zeichnet zwar diesen Vorgang als ,,Lichtbewegung", doch hat er mit einer,,Bewegung" absolut nichts zu schaffen, wenn ihm auch eine ganz eigene Art von statischer Geschwindigkeit zukommt, die von der dynamischen Geschwindigkeit der Materie prin- zipiell verschieden ist. Scheinbar handelt es sich hierbei bloß um neue Benennungen, in Wirklichkeit ist aber von einer grundlegenden physikalischen Einsicht die Rede. Da nämlich die statische Ge- schwindigkeit ätherischer Impulse durchaus nichts von einer Be- wegungsgeschwindigkeit in sich enthält, lassen sich statische und dynamische Geschwindigkeiten niemals im Sinne des,,Zusammensetzungsprinzips" zweier dynamischer Geschwindigkeiten addieren. Wenn z. B. eine materielle Lichtquelle sich fortbewegt, so entsteht die Versuchung, diese