124 Galilei und das Übertragungsprinzip. dern von vornherein in allen diesen anderen Massen! Das klingt genau so, als ob der Wille eines Menschen in allen anderen Per- sonen, nur in ihm selbst nicht, leibhaft wäre, oder als ob der Durst einer Person von allen anderen Menschen gefühlt würde, nur von ihr selbst nicht. Der große Meister der Fluxionsrechnung faßte übrigens selbst seine sogenannte Fernwirkung von Materie auf Ma- terie niemals als irgendein physikalisch begreifliches Wirken auf, und er duldete es bloß, daß seine Jünger diesen Scheinbegriff eines Scheinwirkens populär ausnutzten und als ein,,Anziehen", welches die Materie auf die Materie übt, hinstellten. Newton war damit im klaren, daß sein Wechselwirken oder Fernwirken nur ein formal- mathematischer Relationsbegriff war, der zwar auf einen physikalischen Sinn keinen Anspruch erhob, aber zur Berechnung des Umlaufs eines Weltkörpers um den anderen in merkwürdiger Weise geeignet war. In unserer heutigen Ausdrucksweise würden wir sagen: Newton hat den Sitz der Kraft und dadurch auch den Kraftbegriff sowie den Wirkungsbegriff relativiert, so daß er physikalisch nicht gedeutet werden konnte. Der heutige Relati- vismus ist nur eine extreme Fortbildung des Newtonis- mus, insofern er offen den Begriff des Wirkens und der Kausalität fallen läßt und nur ein unbewirktes Naturgeschehen anerkennt und auch dieses ,,relativiert", d. h. den Naturlauf um seine Eindeutigkeit, bzw. Zwangläufigkeit bringt. Der schon seit bei- nahe dritthalb Jahrhunderten bestehende Kampf zwischen relati- vistischer und kausaler Naturbetrachtung hat sich in unseren Tagen in extremster Weise verschärft, und die abendländische exakte Wissenschaft wird nunmehr endgültig darüber entscheiden müssen, ob sie das kausale Denken allen Ernstes aufzugeben bereit ist oder aber sich die Mühe nehmen will, ein Kausalitätsprinzip als Wechselwirkungslehre zwischen Äther und Materie auszubilden. Wenn wir z. B. bei den Stoßerscheinungen den lebhaften Eindruck gewinnen, daß die Materie unmittelbar auf die Materie einzu- wirken vermag, so müssen wir uns von dieser gefährlichen Illusion, die die Hauptstütze des relativistischen Denkens in der Physik bildet, ein für allemal und in gründlichster Weise zu be- freien suchen. Die letzten Teilchen der Materie vermögen sich niemals unmittelbar, d. i. lückenlos zu berühren, also muß der Äther zwischen ihnen unter allen Umständen eine vermittelnde Rolle spielen. Immer wirkt die Materie dadurch erregend auf den Äther ein, daß die Bewegungen der ersteren sich in mannigfache Impulse des letzteren umsetzen, und umgekehrt wirkt der Äther auf die Materie dadurch ein, daß seine Impulse, so verschiedener Art sie auch sein mögen, an der Materie als Bewegungen zum Vor- schein kommen. Es kann zwar der Schein entstehen, als ob die Masse m₁ ihre m₁ ihre Bewegung unmittelbar auf die die Masse ma