120 Galilei und das Übertragungsprinzip. Impulse hervorzubringen, so kommt ihr doch der positive Charakter zu, Impulse, von denen sie getroffen wird, in Ortsveränderung oder Bewegung umzusetzen, ja, sie ist das einzige Etwas in der Welt, das einen Impuls, d. i. einen bloßen Bewe- gungsdrang (eine potentielle Bewegung) in aktuelle Bewegtheit umzusetzen vermag. Erst durch diese Erklärung treten Trägheit und Impuls einander in scharfer Beleuchtung gegenüber. Auch wird es nunmehr kaum möglich sein, Impuls und Be- wegung miteinander zu verwechseln, da sie gegensätzlich von- einander geschieden sind, insoferne der Impuls unter allen Um- ständen einen potentiellen Charakter hat, ein reiner Drang ist, und erst an der Materie (und nur an ihr) als aktuelle Bewegung in Erscheinung treten kann. Leider besteht nicht nur im populären, sondern auch im wissenschaftlichen Denken die gefährliche Nei- gung, einen sogenannten Impuls wie eine kurzdauernde Bewegung (und zwar Stoßbewegung) aufzufassen, wodurch der Impuls und der Bewegungsbegriff miteinander verwechselt, das Potentielle und das Aktuelle nicht mehr geschieden werden, wie dies in der Elastizitätslehre Schritt für Schritt der Fall ist. Eine solche Ver- wechslung kann aber für den ganzen Aufbau der Physik verhäng- nisvoll werden, denn stellen wir uns einen Impuls wie eine kleine Bewegung vor, so dürfen wir ja den Bewegungsvorgang eines be- liebigen Körpers aus lauter Impulsen zusammengesetzt denken, d. h. wir stempeln die Materie im Handumdrehen zu einer Trägerin von Impulsen, wodurch sie aufhört, „träge“ zu sein. Will man also den logischen Widerspruch vermeiden, daß die Materie zugleich als träge und nicht träge hingestellt wird, so muß man ein für allemal feststellen, daß Impuls und Be- wegung sich wie Potentielles und Aktuelles zueinander verhalten. Man geht vielleicht am sichersten, wenn man sich unter Impuls zunächst so etwas vorstellt wie einen momentanen Druck oder Zug, also einen reinen Antrieb, wobei von jeder Bewegtheit oder Deformation der Materie abstrahiert wird. Mit dieser heiklen Begriffsunterscheidung sind wir an einen Wendepunkt unserer Betrachtung gelangt, wo wir uns dem großen Problem der Herkunft der Impulse nicht länger verschließen kön- nen. Denn faßt man die Materie als träge auf und mutet ihr nur zu, anderswoher kommende Antriebe in Bewegung umzusetzen, so wird die Frage nach dem Träger der Antriebe unvermeid- lich. Wäre man diesem Problem nicht konsequent aus dem Wege gegangen, so hätte man längst erkannt, daß die Trägheit der Ma- terie die Annahme eines zweiten Substrats, des impulsiven Welt- äthers, zur logischen Notwendigkeit macht. Der Äther ist in die- sem Sinne als der unbewegliche, immer ruhende Träger aller Span-