Kopernikus und die Relativitätstheorie. 107 stattet aufzutreten vermag? Die Antwort auf diese scheinbar un- verfängliche Frage ist eine ziemlich einfache. Das sogenannte Relativitätsprinzip hat die charakteristische Eigentümlichkeit, den Inhalt wirklicher physikalischer Grundgesetze zu verschlucken und dadurch den Schein zu erwecken, daß es selbst einen objektiven physikalischen Sinn besitzt. So z. B. vermag das Relativitäts- prinzip alle drei Newtonschen Bewegungsgesetze sich einzuver- leiben und bald als,,Trägheitsprinzip", bald als mechanisches ,,Additionsprinzip" oder auch als Prinzip der,,Wirkung und Gegen- wirkung" aufzutreten. Es spielt mit größter Leichtigkeit in jedes dieser Gesetze hinüber, da es doch selbst mit keinerlei objektivem Eigeninhalt belastet ist. Kurz, es ist das reinste Mimikryprinzip der Physik, das auch die besondere Eignung hat, alle Unklarheiten der Fundamentalbegriffe der Physik in sich wie in einem Sammel- becken zu vereinigen. Eben aus diesem Grunde ist die kritische Durchleuchtung des Relativitätsprinzips die denkbar heikelste Aufgabe, denn es müssen dabei die Dunkelheiten, die an sämtlichen. physikalischen Grundbegriffen haften, soweit wie möglich erhellt werden, was natürlich auch einen starken Anstoß zu ihrer Um- arbeitung und Umgestaltung geben muß. Immerhin können wir schon im Rahmen dieser allgemein verständlichen Zeilen einen vorbereitenden Schritt zur Lösung der großen Aufgabe unter- nehmen. Am leichtesten legt das Relativitätsprinzip die Maske des mechanischen Additions- oder Subtraktionsprinzipes an, und es wird hier wohl genügen, dies an einem Beispiel nachzuweisen. Lassen wir z. B. im glattbewegten Schiffsraume ein Geldstück fallen, so erscheint uns seine Bahnlinie ebensosehr als senkrechte Gerade wie im ruhenden Schiff: das heißt wir merken von der Übertragung der Schiffsgeschwindigkeit auf das Geldstück ebenso- wenig wie auf unseren eigenen Leib. Fährt z. B. unser Dampfer mit der Geschwindigkeit von zwölf Metern in der Sekunde, so sub- trahiert gleichsam unsere unzulängliche Wahrnehmung diese hori- zontale Geschwindigkeitskomponente von allen Bewegungsvorgän- gen, die im Schiffsraum stattfinden, also auch von der Bahn des fallenden Geldstücks, so daß für unsere Beobachtungsfähigkeit nur die senkrechte Fallkomponente des letzteren übrigbleibt. Würden wir ein besonderes Organ für Bewegungsübertragung haben, so müßte sich uns die Bahn des Geldstücks als die wohlbekannte parabolische Kurve darstellen, die durch ,,Addition" aus der hori- zontalen Schiffsgeschwindigkeit und der vertikalen Fallgeschwindig- keit hervorgeht. Gerade die Mangelhaftigkeit unserer Bewegungs- wahrnehmung verhilft uns im vorliegenden Falle zur Einsicht in das Subtraktions- oder auch in das Additionsprinzip der Mechanik, demzufolge bei der Vereinigung von zwei Bewegungen in einem