Kritik der Relativitätstheorie. 93 Der Fizeau-Versuch lehrt nun, daß der Brechungsindex des strö- menden Wassers ein anderer ist als der des ruhenden Wassers, d. h. daß seine Bewegtheit Einfluß auf seine optische Beschaf- fenheit hat. Aber nicht nur die Bewegung, sondern Erwärmung und Kälterwerden haben z. B. auch einen Einfluß auf die optische Beschaffenheit der durchsichtigen Substanzen und demzufolge auch auf die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Lichts in ihnen. Wenn wir also sagen, daß der Fizeau-Versuch uns zeige, daß ein Teil der Strömungsgeschwindigkeit des Wassers sich zur Lichtaus- breitungsgeschwindigkeit hinzuaddiere oder von ihr subtrahiere, so ist dies ein rein figürlicher Ausdruck, der absolut nichts mit dem Zusammensetzungsprinzip von Bewegungen zu tun hat. Der Fizeau-Versuch antwortet auf die Frage, ob Strömung (Bewegung) einen Einfluß auf die optische Beschaffenheit einer Flüssigkeit habe, was ein ganz anderes Problem ist, als welches der Michelson- Versuch zu lösen hat, denn dieser letztere kümmert sich durchaus nicht um die Frage, ob es Einflüsse gibt, die das optische Ver- halten einer Substanz, ihren Brechungsindex ändern. Außer der Strömungsgeschwindigkeit gibt es auch noch andere Faktoren, wie z. B. Erwärmung und Abkältung, die auf den Brechungsindex einer durchsichtigen Substanz Einfluß üben können. Der Fizeau- Versuch gehört dieser Klasse von Experimenten an. Er zeigt uns, daß, obwohl Bewegung und Lichtausbreitung disparate Vorgänge sind, sie doch in Zusammenhang miteinander stehen. Das ist aber von vornherein zu erwarten, denn es hieße die zwei Klassen dis- parater Vorgänge, Bewegung und Ausbreitungen, in zwei mitein- ander nicht zusammenhängende Welten spalten, wenn die eine Klasse durch Vermittlung von Substanzen keinen Einfluß auf die andere gewinnen könnte. Während also der Michelson-Versuch die fundamentale Verschiedenartigkeit von Bewegung und Aus- breitung darlegt, lehrt der Fizeau-Versuch, daß diese disparaten Vorgänge trotzdem durch irgendwelche substantielle Vermittlung miteinander in Zusammenhang bleiben. Von einem Widerspruch zwischen den beiden Versuchen kann gar keine Rede sein. 2. Der Grundirrtum der Relativitätslehre. Die Forscher hatten also nicht den geringsten Grund, über den Michelson-Versuch enttäuscht und durch seine vermeintliche Unverträglichkeit mit dem Fizeau-Versuch konsterniert zu sein. Alle jene spekulativen Versuche, welche Lorentz machte, um die Addition der Erdgeschwindigkeit zur Lichtgeschwindigkeit zu retten, waren völlig überflüssig und hatten nur eine steigende Ver- wirrung des physikalischen Denkens zur Folge, aus welcher schließ- lich die Einsteinsche Relativitätslehre erwuchs, die diese Ver- wirrung geradezu zum Grundprinzip der Physik erhob. Unsere