88 Kritik der Relativitätstheorie. hält sich die Lichtausbreitung zur Erdbewegung, wie wird die erstere durch die letztere beeinflußt, darüber soll der Versuch neue und entscheidende Aufklärung liefern. Die ausführliche Beschrei- bung des Versuchs findet man in dem Buche Michelsons,,Wawe length and their uses". Uns kommt es hier durchaus nicht auf eine Beschreibung an; wir erwähnen nur, daß der Versuch zum erstenmal 1881 ausgeführt, dann 1887 von Michelson und Morley und schließlich 1904 von Morley und Miller wiederholt wurde. Die große Diskussion, die sich daran knüpfte, ergab, daß die Michel- sonschen Resultate ganz unzweifelhaft richtig seien. Tatsächlich darf das Experiment als ein vorbildliches Meisterstück physikalischer Meßkunst betrachtet werden, in welchem eine bisher noch nicht dagewesene Genauigkeit von acht Dezimalstellen erreicht wurde. Die Hauptrolle im Versuche spielt der Michelsonsche Interfero- meter, der den Gangunterschied zweier derselben Lichtquelle ent- stammenden Strahlen, die unter rechtem Winkel zusammentreffen, durch entsprechende Interferenzstreifen zur Anschauung bringt. Der Interferometer hat zwei zueinander rechtwinklige gleich lange feste Arme und ist drehbar eingerichtet, so daß abwechselnd bald der eine, bald der andere Arm in die Richtung der Erdbewegung gebracht werden kann. Uns interessiert hier durchaus nur der Grundgedanke des ganzen Experiments. Zwei so grundverschie- dene Vorgänge wie die Fortpflanzung eines Lichtstrahles und die Bewegung der Erde werden gleichsam in denselben Apparat ein- gespannt, und es soll untersucht werden, wie ein solch seltsames Zweigespann zusammen funktioniert. Grundvoraussetzung des Ver- suches ist, daß, wenn der Lichtstrahl sich in der Richtung der Erdbewegung fortpflanzt, zu diesem Fortpflanzungsweg noch der Weg, den die Erde unterdes zurücklegt, hinzuaddiert werden muß. Bei dem quer laufenden Lichtstrahl hingegen addiert sich nicht die ganze Strecke der unterdes verlaufenen Erdbewegung hinzu, so daß zwischen den beiden Lichtstrahlen ein Gangunterschied be- stehen soll, der sich in einem entsprechenden Interferenzbild kundgeben muß. Alle Erwartung konzentriert sich also auf dieses Interferenzbild, da es einen terrestrischen Beweis dafür erbringen kann, daß die Erde sich tatsächlich um die Sonne bewegt. Und was die Hauptsache ist: jenes Interferenzbild muß uns Belehrung über den gesetzmäßigen Zusammenhang der Lichtausbreitung und eines Bewegungsvorganges bringen und demzufolge ein Licht auf die Einheitsfrage aller physikalischen Erscheinungen überhaupt werfen. Das Einheitsproblem der Physik war in dem mit wunder- barer Präzision ausgeführten Michelsonschen Versuch aufgerollt. Und das Ergebnis? Es war ein enttäuschendes, förmlich nieder- schlagendes. Die Erdbewegung meldete sich im Interferenzbilde absolut nicht an, als ob sie gar nicht existieren würde. Die unter-