Die Relativitätstheorie in der modernen Physik. 77 bewegte Materie die Trägerin aller motorischen Geschwindigkeiten und Beschleunigungen, so ist der nie bewegte, aber immer erregte Atherozean der Träger und Fortpflanzer aller Spannungen und Spannungsänderungen der physischen Welt. Energetisch aus- gedrückt würde man sagen können, daß die Materie das Substrat aller kinetischen, der Äther hingegen aller potentiellen Energie sei. Es ist vor der Hand nicht nötig, den polaren Charakter der beiden Substanzen weiter auszumalen, denn dies kann nur zweckmäßig bei der Darstellung einer systematischen Bewegungslehre und weiterhin bei dem Ausbau einer Optik, Elektrodynamik und Wärme- theorie geschehen. Die oben angedeutete neue Theorie von Äther und Materie ist derjenigen von H. A. Lorentz am nächsten verwandt. Diesem großen theoretischen Physiker ist es gelungen, die Summe aus den Forschungen von Huygens, Youngh, Fresnel, Faraday und Maxwell zu ziehen und zu der genialen Konzeption eines absolut ruhenden, kontinuierlichen Weltäthers durchzudringen. Unsere Theorie will eine wesentliche Fortbildung der Lorentzschen sein und unterscheidet sich von ihr zunächst dadurch, daß sie nicht auf optischem und elektrodynamischem, sondern auf rei nmecha- nischem Boden entstanden ist und den Beweis dafür erbringen möchte, daß auch die rein mechanischen Vorgänge, die Bewegungs- erscheinungen der Materie, ohne Hilfe des Äthers unverständlich bleiben. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß nur die Erklärung der optischen und elektrodynamischen Erscheinungen die Annahme eines Äthers erforderlich macht, denn auch die Mechanik (und insbesondere die Gravitationslehre) bedarf zu ihrem weiteren Aus- bau zumindest ebensosehr dieser Annahme wie ein beliebiger anderer Teil der Physik. Dadurch aber, daß die Mechanik eben den- selben Äther postuliert wie die Optik und Elektrodynamik, wird das ganze Lehrgebäude der Physik vereinheitlicht. Eigentümlicherweise geht aber die Einsteinsche Relativi- tätstheorie direkt darauf aus, den Begriff des Äthers aus der theo- retischen Physik zu verbannen und dadurch gerade ihre schönste Errungenschaft zu zerstören. Erinnern wir uns daran, daß die Aufgabe der Relativitätstheorie darin bestehen sollte, den Zusammenhang zwischen den Sonderbewegungen innerhalb eines Systems und den Kollektivbewegungen desselben zu erforschen, so leuchtet es sofort ein, daß diese Aufgabe identisch ist mit dem Problem der Wechselbeziehungen zwischen Äther und Ma- terie, denn daß es nicht nur Singulär-, sondern auch Kollektiv- bewegungen gibt, ist ja eben eine Folge der Wechselwirkung zwi- schen Äther und Materie. Indem also die Einsteinsche Theorie den Äther abschafft, schafft sie in Wirklichkeit ihr eigenes Problem ab. Sie verfährt dabei übrigens mit einer gewissen Konsequenz,