72 Die Relativitätstheorie in der modernen Physik. Auge als auch durch den Tastsinn bekannten Bewegungsformen von festen Blöcken oder flüssigen Massen oder Gasmengen. Über diese mittlere Stufe erheben sich die makrokosmischen Kollektiv- bewegungen der einzelnen Weltkörper oder der Systeme derselben, die im besten Falle nur optisch (also bloß dem Scheine nach) konstatierbar sind, und gerade in bezug auf die Erde unwahrnehm- bar bleiben. Unterhalb der mittleren Stufe erstreckt sich das dunkle und geheimnisvolle Reich der mikrokosmischen Bewegun- gen, die man in Unterabstufungen auf Moleküle, Atome und Elek- tronen zu beziehen pflegt. Ein solcher gleichsam naturhistorischer Überblick über die Stufenleiter der Bewegungsformen hat den großen Nutzen, daß man sich des Parallelismus zwischen dem ma- teriellen Aufbau des Kosmos und zwischen den entsprechenden Bewegungsstufen klar bewußt wird. So viele Stufen es in dem substantiellen Aufbau des Kosmos gibt (wie etwa Elektron, Atom, Molekül, Block usw.), genau so viel motorische Stufen müssen unterschieden werden: denn irgendeine Gruppe von substantiellen Teilen (a, b, c usw.) bildet nur deshalb eine natürliche Gruppe, weil ihr eine eigene Kollektivbewegung zukommt, die den niedrigeren Stufen über- und den höheren Stufen unter- geordnet ist. Das Studium der Bewegungsstufen fällt also mit dem Studium des substantiellen Weltbaus zusammen. Sowie der Physiologe ohne irgendeine Kenntnis der anato- mischen und histologischen Struktur des Leibes dessen Funk- tionen nicht zu erforschen vermag, und so, wie er sich ein Bild von der Stufenfolge der Substrate des Leibes machen muß, von den Zentrosomen angefangen über den Bau der Zellen hinweg bis zu den Geweben und Organen des Lebewesens, um eine Auffassung von der Stufenfolge und dem Zusammenhang der physiologischen Funktionen des Organismus zu gewinnen, so muß auch der Phy- siker die Erforschung der Bewegungen in innigster Weise mit der Darlegung des Stufenbaus der materiellen Strukturen in Verbin- dung setzen, weil er sonst zu einer abstrakten Bewegungslehre gelangt, die nichts mehr mit Physik zu schaffen hat und zu einer rein mathematischen Disziplin wird. Hält man sich die Stufenhaftigkeit der Kollektivbewegungen vor Augen, so kommt es auch sofort zum Bewußtsein, daß die Stufenreihe derselben keine Unterbrechung, keine Zusammenhang- losigkeit zeigen kann, falls man den kausalen Zusammenhang der Erscheinungen nicht aufgeben, die Einheitlichkeit der Welt nicht leugnen und die Physik nicht zu einer Theorie der zusammenhang- losen Wunder machen will. Es kann demnach niemals geschehen, daß die Kollektivbewegungen der niedrigeren Stufe, welche gleich- sam eingeschachtelt sind in die Kollektivbewegung der höheren Stufe, von dieser letzteren unabhängig werden: wie dies,,das - L