Die Relativitätstheorie in der modernen Physik, 65 Bewegung" die Rede sein, d. h. die Bewegung eines Körpers muß immer zu einem anderen Körper und nie zum Raume in Relation gesetzt werden, weil der Raum sowie die Beziehungen zu ihm in Acht und Bann getan sind. Hat dann der Körper K' relativ zum Bezugskörper K die Geschwindigkeit v, so muß umgekehrt der Körper K in bezug auf K' die Geschwindigkeit -v besitzen. Von einer,,absoluten Bewegung" des Körpers K, d. h. von einer Be- wegung desselben relativ zum Weltraume zu sprechen, hätte gar keinen Sinn! Wenigstens sind es solche Überzeugungen, die die Unterlage der modernen ,,Relativitätstheorie" bilden und denen sie recht eigentlich ihren Namen verdankt. Kehren wir nun zu unseren beiden materiellen Systemen S und S' zurück, von denen das letztere sich in gleichförmiger is is S₁ S2 S a is S'1 S'a Translation mit der Geschwindigkeit v gegen das erstere befindet. Dann ist es offenbar, daß die Beobachter B und B', die sich in den beiden Systemen befinden, nicht die leiseste Ahnung von der Raumrichtung, in der sie sich gleichförmig gegeneinander be- wegen, haben können. Sie beziehen nämlich ihre Lage im Raume wechselseitig aufeinander und können nur wissen, daß sie mit der konstanten Geschwindigkeit v von entgegengesetzter Richtung her kommend sich einander in gerader Linie nähern, oder daß sie mit der Geschwindigkeit v nach entgegengesetzten Richtungen in gerader Linie auseinanderfahren. Um unsere Aufmerksamkeit zu konzentrieren, bleiben wir zunächst bei dem letzteren Fall stehen, denn alles, was wir von dem gleichförmigen Auseinanderfahren der beiden Systeme behaupten werden, gilt in gleicher Weise auch für ihre gegenseitige Annäherung. Wie die folgende Figur zeigt, könnten die beiden Systeme S und S' sich auf den Schenkeln eines Winkels SOS' mit gleichförmiger Geschwindigkeit fortbewegen, ohne hiervon auch nur das Geringste merken zu können. Der Beobachter Bim Systeme S könnte nichts davon merken, daß er mit gleichförmiger Bewegung längs des Schenkels O S fortgleitet, denn Palágyi, Weltmechanik. 5