Die Relativitätstheorie in der modernen Physik. 63 muß die Wege zu solchen Versuchen ebnen, indem sie die Gesetze zwischen inneren Vorgängen und Gesamtbewegungen materieller Systeme aufzudecken unternimmt. Also nicht um die Unab- hängigkeit, sondern um die Abhängigkeit der genannten zwei Arten von Vorgängen handelt es sich für uns. Eigentümlicherweise unternehmen es die Relativitätstheore- tiker, das antikausale ,,Relativitätsprinzip der Mechanik" auch mathematisch zu demonstrieren! Ja, dieser Beweis wird in so elementarer Weise und scheinbar so schlagend geführt, daß sich in der ganzen wissenschaftlichen Literatur keine einzige bezwei- felnde Stimme gegen denselben erhebt. Wir wollen diesen Beweis etwas näher ins Auge fassen, teils weil er ein klassisches Beispiel dafür liefert, wie hervorragende Mathematiker, wahre Künstler ihres Faches, sich zuweilen über den Sinn der elementarsten mathe- matischen Formeln täuschen können, teils auch, weil sich uns die Gelegenheit bietet, durch Entkräftung dieses Beweises eine neue Bestätigung der Richtigkeit unseres Standpunktes beizubringen. Wir wollen zunächst den Gang des Beweises möglichst kurz skizzieren und erst dann die einzelnen Teile desselben genauer be- trachten. Man geht von den sogenannten Newtonschen Be- wegungsgleichungen eines Massenpunktes m aus, der auf das Koordinatensystem x, y, z bezogen ist, und schreibt dieselben in der wohlbekannten Form: m d2x dt2 Nun geht man zu einem anderen Koordinatensystem x', y', z' über, das relativ zu dem ersteren in einer gleichförmig-geradlinigen Be- wegung mit der Geschwindigkeit v begriffen ist, und benutzt für die Bewerkstelligung dieses Überganges die Gleichungen der so- genannten Galilei-Transformation X, m oder durch ihre Umkehrung m day dt2 X, m x'x vt, y' y, z'z, — = - d2z dt2 Y, m d2y' dt2 - - x = x' + vt, y = y', z = z'. Dann erkennt man auf den ersten Blick, daß durch Substitution dieser letzteren Werte in die Newtonschen Bewegungsgleichungen dieselben ihre Form völlig unverändert behalten: d2z' Y, m dt2 d2x' dt2 Da die ganze Newtonsche Mechanik auf diesen Grundgleichungen beruht, so will dies besagen, daß die Gesetze der klassischen Me- chanik unberührt erhalten bleiben, wenn man von einem berech- tigten Koordinatensystem zu einem in beliebiger gleichförmiger Translation befindlichen übergeht. Eine einfachere Demonstration 1. - Z.