Die Relativitätstheorie in der modernen Physik. 61 bald von gleichförmiger Translation die Rede ist. Zwischen der gleichförmigen Translation eines Systems und den Einzelbewe- gungen innerhalb desselben fehlt absolut jeder kausale Zusammen- hang. Daraus wäre es wohl auch zu erklären, daß die gleichförmige Translation ohne Rücksicht auf innere Sonderbewegungen nach allen möglichen Raumrichtungen und allen möglichen Geschwindig- keitsgraden vor sich gehen kann. Da nämlich diese gleichförmige Translation des Systems als ein physikalisches Wunder zu betrach- ten ist, so begreift man auch, daß es in der mannigfaltigsten gesetz- losen Weise stattfinden kann. Bezeichnet man die gleichförmige Geschwindigkeit einer Translation mit v, so ist es leicht einzusehen, daß dieselbe - weil sie in drei Komponenten V, V, V, nach den drei Koordinatenachsen zerlegt werden kann - eine dreifach unendliche Mannigfaltigkeit (∞³) von Werten anzunehmen imstande ist. Das Wunder der gleichförmigen Translation kann dementsprechend in dreifach unendlicher Weise statt- finden. Auf Grund dieser Überlegung wird das Relativitätsprinzip der Mechanik in folgender Weise formuliert: Die Newtonschen Gesetze der Mechanik bleiben innerhalb eines materiellen Systems völlig unverändert (invariant), welche von den ∞ möglichen gleichförmig-geradlinigen Bewegungen das System auch besitzen möge. Statt von materiellen Systemen zu sprechen, kann man an ihre Stelle die mit ihnen fest verbundenen Koordinatensysteme setzen, und dann lautet die gebräuchliche Formel für das Relati- vitätsprinzip der Mechanik: Es gibt dreifach unendlich viele, verschiedene, gleichberechtigte Koordinatensysteme oder sogenannte Bezugssysteme, welche gegeneinander gleichförmig-geradlinig bewegt sind und in denen die Newtonschen Gesetze der Mechanik in gleicher Weise Geltung behalten. (Der Sinn dieses so eigentümlich einge- kleideten Prinzips ist der, daß die ganze Weltmaterie in dreifach unendlicher Weise eine gleichförmige Translation im dreidimen- sionalen Raume besitzen könnte, ohne daß diese Translation den geringsten Einfluß auf die mechanischen Vorgänge und Gesetze innerhalb der Weltmaterie üben könnte. Oder mit anderen Wor- ten: Zwischen der gleichförmigen Translation der Weltmaterie und den mechanischen Vorgängen innerhalb derselben besteht kein kausaler Zusammenhang. Unklar an diesem sonderbaren Prinzip ist nur, ob es in subjektivistischem oder objektivem Sinne genommen werden solle, ob nämlich nur wir Menschen niemals imstande sein werden, zu erkennen, welche von den ∞³ verschie- denen gleichförmigen Translationen der Weltmaterie zugesprochen werden solle, oder ob auch die Natur selbst eine Unschlüssigkeit in dieser Frage bekunde.)