60 Die Relativitätstheorie in der modernen Physik. Systeme versteht, aber gerade das Gegenteil hiervon ist der Fall. Man sagt z. B.,,das Relativitätsprinzip gilt nicht", wenn die Kollektivbewegung des Systems in den Einzelvorgängen desselben merkbar wird. Also ist das Relativitätsprinzip vor allem in Fällen der Achsendrehung des Systems völlig geltungslos. Würde uns aber keine einzige irdische Beobachtung zu Gebote stehen, die von der Achsendrehung der Erde Zeugnis ablegen könnte, ja, was die Hauptsache ist, wäre es überhaupt ausgeschlossen, daß jemals solche Beobachtungen oder Experimente gemacht werden könnten, dann würde man sagen: jawohl, das Relativitätsprinzip gilt nun- mehr auch für die Achsendrehung materieller Systeme (bzw. der mit ihnen verbunden gedachten Koordinatensysteme). Heißt das nicht, eine Sache direkt auf den Kopf stellen? Einstein erklärt in höchst gedrängter und präziser Form: ,,Das Relativitätsprinzip ist die Voraussetzung der Unabhängigkeit der Naturgesetze vom Bewegungs- zustande des Bezugssystems." (,, Jahrbuch der Radioaktivität und Elektronik" 4, 454, 1907.) Unter dem Bezugssystem,,wird hier ein passendes oder berechtigtes" Koordinatensystem ver- standen; seine Bewegung ist zugleich diejenige des mit ihm fest verbundenen materiellen Systems, also das, was ich ,,Kollektiv- bewegung" nenne. Die Naturgesetze, von denen hier die Rede ist, sind diejenigen, welche die Vorgänge innerhalb des Systems regeln. Die Einsteinsche Erklärung läßt sich demnach auf die Form bringen: Das Relativitätsprinzip ist die Voraussetzung der Unabhängigkeit der im Inneren eines materiellen Systems walten- den Naturgesetze von der Kollektivbewegung des Systems. Diese Kollektivbewegung scheint also wirklich außerhalb der Natur- gesetze zu stehen, die im Inneren des Systems walten, denn die letzteren bleiben völlig unberührt von der Bewegung, der das System als Ganzes unterliegt. Der kausale Nexus zwischen den inneren Vorgängen des Systems und seiner Kollektivbewegung ist unterbrochen. Wenigstens darf nur dann von der Gel- tung des Relativitätsprinzips die Rede sein, wenn das kausale Band zwischen den inneren Einzelvorgän- gen eines Systems und seiner Kollektivbewegung zer- rissen ist. Gewöhnlich denkt man, daß die Naturwissenschaft nur solche Grundsätze aufstellt, die den kausalen Zusammenhang der Er- scheinungen nicht aufheben. Das Relativitätsprinzip aber bildet eine Ausnahme. Das Interessante an diesem einzigartigen Prinzipe ist, daß es ein physikalisches Wunder statuiert. Dieses Wunder aber ereignet sich angeblich zwischen den inneren Sondervorgängen eines Systems und seiner Bewegung als Ganzes betrachtet. Das kausale Band zerreißt zwischen diesen zweierlei Vorgängen, so-