52 Die Relativitätstheorie in der modernen Physik. lich würde es von einem ersten göttlichen Anstoß abhängen, ob ein materielles System sich nach dieser oder jener Richtung mit dieser oder jener konstanten Geschwindigkeit fortbewegen oder gar in absoluter Ruhe beharren solle.) Es gäbe kein Naturgesetz, das darüber entscheiden könnte, welche konstante Geschwindig- keit irgendeinem materiellen System zukommen müsse. Der Mangel eines solchen Naturgesetzes würde dann den eigentlichen Inhalt des Relativitätsprinzips der Mechanik bilden. Jeder unbefangene Forscher wird zugeben, daß dieses Prinzip an irgendeiner Dunkelheit oder Mystik leidet. Denn man erwartet im allgemeinen, daß eine Bewegung, von der ein materielles System als Ganzes ergriffen ist, d. i. die Kollektivbewegung dieses Systems, nicht irrelevant sein wird für die mechanischen Einzelvorgänge bzw. Einzelbewegungen, die innerhalb des Systems stattfinden. Man erwartet, daß irgendein Zusammenhang, irgendeine Ab- hängigkeit zwischen einer Kollektivbewegung und den durch sie eingeschlossenen Einzelbewegungen stattfinden soll. Ändert sich die Kollektivbewegung eines Systems so denkt man unwill- kürlich, wird dies wohl auch irgendwelche Änderungen in den zum Systeme gehörigen Einzelbewegungen verursachen. Um- gekehrt: ändern sich diese letzteren, so wird doch wohl auch die erstere in Mitleidenschaft gezogen werden. Derartige Vermu- tungen sind es, die zur Ausbildung einer physikalischen Relativi- tätstheorie hindrängten. Allgemeinste Aufgabe der Rela- tivitätstheorie ist es, den Zusammenhang zwischen Kollektivbewegungen und den inneren Einzelvorgän- gen irgendeines materiellen Systems zu ergründen. Nun behauptet aber das,,Relativitätsprinzip der Mechanik", daß zwischen einer Kollektivbewegung, welche eine gleichförmige Translation ist, und zwischen den inneren Einzelbewegungen des Systems gar kein Zusammenhang, gar keine Abhängigkeit bestehe. Irgendein materielles System kann eine beliebige gleichförmige Translation haben oder auch nicht haben, wie auch die inneren Einzelbewegungen des Systems beschaffen sein mögen. Anderer- seits scheint es aber, daß die gleichförmige Translation doch irgend- wie zur Natur der materiellen Systeme gehöre. Eine Dunkelheit liegt hier jedenfalls vor, und so wird auch die Frage gestattet sein, woher sie stammt? - Sie quillt aus der Newtonschen Mechanik, und zwar 1. aus dem ersten Newtonschen Bewegungsgesetz oder dem sogenannten Galilei-Newtonschen Beharrungsprinzip, 2. aus dem Begriff der sogenannten absoluten (im Unterschiede von der relativen) Bewegung. Was zunächst das Beharrungsprinzip betrifft, so dürfen wir uns in bezug auf dasselbe ziemlich kurz fassen, da die Kritik