28 Neue Theorie des Raumes und der Zeit. in geometrischem, das andere Mal in psychologischem Gewande, zu betrachten sind. Wir erblicken die Welt in drei Dimensionen, weil wir drei psychische Grundfähigkeiten besitzen, und umge- kehrt, wir haben drei psychische Grundfähigkeiten, weil wir die Welt als dreidimensional auffassen. Wir haben ferner gesehen, daß zwei isolierte einfache Identi- fikationsurteile nicht genügen, die Denkfähigkeit eines Wesens zu begründen, und können nunmehr hinzufügen, daß es zumindest eines Identifikationsurteils der dritten Dimension bedarf, um jene zwei ersteren auseinander zu halten und miteinander zu verbin- den und so ein denkendes Bewußtsein zu ermöglichen. Wir können diese fundamentale Tatsache der Logik durch die folgende Figur veranschaulichen: Repräsentiert hier die Seite AB die Dimension eines einfachen Identifikationsurteils, die Seite BC aber die eines zweiten solchen Urteils, so werden wir, solange unser Bewußt- sein in die Ebene des obigen Dreiecks ABC gebannt ist, diese zwei Urteile nicht voneinan- der zu unterscheiden vermögen, da ja die ganze Ebene uns stets nur als eine Kante Fig. 1. gegeben ist. Erheben wir uns aber in die dritte Dimension, so wird uns mit den Seiten AB und BC zugleich auch die Seite CA gegeben sein, und wir werden vermittels dieser letzteren die zwei ersteren miteinander verbinden und voneinander unterscheiden können. Das Dreieck ABC symbolisiert uns also das Schlußverfahren des Denkens. Die Urteile in den zwei Dimensionen AB und BC repräsentieren die Vordersätze, und indem wir uns in die dritte Dimension erheben, vermögen wir beide Vordersätze auf einmal zu fassen und voneinander zu son- dern, was zu der Bildung des Urteils CA als dem Folgesatz aus den beiden Vordersätzen führt. с Die Dreizahl der Sätze im Schlußverfahren und die Dreizahl der Raumdimensionen ist also im Grunde genommen ein und die- selbe Tatsache, nur daß wir sie einmal für unser Denken, das andere Mal für unsere Sinnlichkeit zum Ausdruck bringen. Wir können dies auch so formulieren: Weil wir ein schließendes Denken besitzen, objektiviert sich uns die Welt in drei Dimensionen, oder umgekehrt, weil sich uns die Welt in drei Dimensionen objektiviert, besitzen wir ein schließendes Denken. Diese Sätze bilden die Grundlage zu einem neuen Aufbau der Psychologie und Logik. Hier will ich nur noch erwähnen, daß aus den obigen Ausführungen sich in deutlicher Weise die Un- möglichkeit einer vierdimensionalen Raumvorstellung ergibt. Das Fortschreiten zu einer vierten Raumdimension wäre nur möglich,