Die Dreizahl der Raumdimensionen. 27 Wenn das zweidimensionale Wesen, dem, wie gesagt, eine der beiden Dimensionen stets bloß subjektiv bleibt, nunmehr beide Dimensionen K und N zugleich übersehen soll, so muß es die subjektive Dimension objektivieren, d. h. zu einer dritten Dimen- sion fortschreiten, aus der es die beiden Dimensionen K und N objektiv auffassen kann. Bezeichnen wir diese dritte Dimension mit T, so entsteht die gewichtige Frage, wieso das dreidimensionale Wesen von dieser dritten Dimension T Kenntnis nimmt, da ja diese dritte ihm als eine subjektive gegeben ist, aus der es die beiden anderen als objektive aufzufassen vermag. Diese Frage ist aber die aus der Physiologie und Psychologie wohlbekannte Frage nach der Tiefenwahrnehmung, da ja das Bild auf der Netzhaut ein bloß zweidimensionales ist. Man löst dieses Problem in genügender Weise durch die Bewegungsempfindungen und durch das binokulare Sehen, so daß ich mich hier nicht auf dasselbe einzulassen brauche. Wir können uns hier mit der Tat- sache begnügen, daß die Tiere, ebenso wie der Mensch, von einer subjektiven Dimension ausgehend, die beiden anderen Dimen- sionen zu objektivieren vemögen und kraft ihrer Organisation dazu befähigt sind, durch Fortbewegung und Drehung des Körpers die subjektive Dimension so mit einer objektiven zu vertauschen, daß sie schließlich alle drei Dimensionen als objektive aufzufassen ver- mögen. Der Unterschied zwischen Tier und Mensch besteht aber darin, daß das Tier während der dreifachen Objektivierung der einen subjektiven Dimension es nicht dahin zu bringen vermag, diese subjektive Dimension in einen Gegensatz zu der objektiven zu bringen; es gelangt nicht zu dem Gegensatze von Subjekt und Objekt. Wohingegen der Mensch die Zeitdimension deutlich den Raumdimensionen, in denen sie sich objektiviert, gegenüberstellt, was übrigens erst dadurch geleistet werden kann, daß der zeit- liche Verlauf unserer Gedanken in sprachlichen Sätzen objektiviert wird. Dies aber des näheren auszuführen, muß ich mir für eine andere Gelegenheit vorbehalten. Ich werde das dreidimensionale Bewußtsein ob es nun ein tierisches oder menschliches sei, da es in letzter Instanz erst durch die Bewegungsfähigkeit des tierischen Organismus er- möglicht wird, ein Bewegungs- oder Willensbewußtsein nennen, und den Willen definieren als die Betätigung unseres Bewußtseins nach allen drei Dimensionen des Raumes. Die drei psychischen Grundfähigkeiten: Empfindung, Vorstellung und Wille hängen somit in engster Weise mit der Dreidimensiona- lität unserer Welt zusammen. Ja, wir können sagen, daß die Drei- zahl der Raumdimensionen und die Dreizahl der psychischen Grund- fähigkeiten als der Ausdruck ein und derselben Tatsache, einmal ――――